Sport : „Weibliche Wesen sind viel sensibler“

Traberderby-Sieger Strooper über sein bestes Pferd und Stuten als Stars

Peter Strooper, 44, gewann am Wochenende mit der Stute Lobell Countess sensationell das Traber-Derby in Berlin. Foto: Imago
Peter Strooper, 44, gewann am Wochenende mit der Stute Lobell Countess sensationell das Traber-Derby in Berlin. Foto: ImagoFoto: imago sportfotodienst

Peter Strooper schaffte am Sonntag beim 116. Deutschen Traberderby eine Sensation: Nach 17 Jahren gewann erstmals wieder eine Stute das wichtigste bundesdeutsche Trabrennen. Der Tagesspiegel sprach mit dem Niederländer über seinen großen Triumph mit Lobell Countess bei dem Mariendorfer Klassiker.

Herr Strooper, warum hat es so lange gedauert, bis wieder eine Stute das Derby gewinnt? Was ist so besonders daran?

Vom Können her stehen die Stuten mit den Hengsten auf exakt der gleichen Stufe – sie sind mindestens genauso schnell. Doch es ist fast wie bei uns Menschen: Die weiblichen Wesen sind viel sensibler als ihre männlichen Artgenossen. Stuten reagieren im Rennen viel empfindlicher auf jede Irritation oder Störung, man muss auf der Piste sehr behutsam mit ihnen umgehen.

Haben Sie vorher an den Sieg von Lobell Countess geglaubt?

Ich hatte keinerlei Zweifel. Die Braune ist die beste Stute, die ich jemals trainiert habe. Lobell Countess steht erst am Anfang ihrer Rennlaufbahn und wird auch international ein echter Star werden.

Liegt das nur an ihrer Schnelligkeit?

Nein, bei einem Ausnahmepferd gehören noch viel mehr Dinge dazu. Lobell Countess ist total ausgeglichen. Sie hat ein unheimliches Zutrauen zu uns Menschen, das ist enorm wichtig. Denn Traber sind vierbeinige Spitzenathleten. Es ist wie bei Formel-1-Piloten oder Boxern. Nur aufs Gaspedal zu treten oder die Muskelkraft auszuspielen, reicht nicht. Nur wenn die Psyche stimmt, ist die Leistung gut.

Und wie stellt man dieses seelische Gleichgewicht her?

Ich trainiere Lobell Countess hauptsächlich am Strand meiner niederländischen Heimat Callantsoog, einem kleinen Küstenort direkt an der Nordsee. Das ist, was die Stute braucht: Wind, Sonne und Wasser. Und ich brauche das auch.

Was gibt es bei der optimalen Pflege eines Rennpferdes noch zu beachten?

Pferde brauchen Liebe. Das ist für die Traber wie ein Lebenselixier. Es ist nicht anders als bei Hunden oder einem Haustier. Nur wenn ein Rennpferd genügend Zuneigung vom Stallteam und seinen Pflegern bekommt, wird es auf den entscheidenden Metern hundert Prozent geben.

Sie haben jetzt die Chance, noch sehr viel Preisgeld in den großen internationalen Rennen mit ihrer Stute zu gewinnen.

Das mag sein, aber es gibt Dinge, die mir mehr bedeuten. Den Jubel von 10 000 Berliner Zuschauern werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Und Lobell Countess ist für mich keine vierbeinige Geldmaschine, sondern ein herrliches Lebewesen. Die Stute ist anmutig und grazil wie eine wunderschöne Frau.

Das Gespräch führte Heiko Lingk.

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