Sport : Weich fährt aufs Podest

Lewis Hamilton siegt im Formel-1-Rennen von Montreal, weil die Reifentaktik bei Red Bull nicht aufgeht

Karin Sturm[Montreal]
Schon wieder ich. Mit seinem Sieg hat Lewis Hamilton in der WM-Wertung die Führung übernommen. Foto: dpa
Schon wieder ich. Mit seinem Sieg hat Lewis Hamilton in der WM-Wertung die Führung übernommen. Foto: dpaFoto: dpa

Diejenigen, die prophezeit hatten, dass der diesjährige Grand Prix von Kanada in allererster Linie eine reine Reifenstrategie-Schlacht werden würde – sie hatten recht. Jene allerdings, die nach dem Qualifying gesagt hatten, dass das Red-Bull-Team gewinnen würde – sie irrten. Sie hatten geglaubt, das Formel-1-Team würde richtig liegen mit der Taktik, in der Qualifikation mit harten Reifen zu fahren und damit zwar ein bisschen Zeit zu opfern, aber dann auch im Rennen mit diesen Reifen starten zu können. Diese Theorie bestätigte sich nur zunächst, am Ende standen jene vorne, die weich bereift ins Rennen gegangen waren: Lewis Hamilton siegte vor Jenson Button und Fernando Alonso.

Sie alle mussten zwar früh zum Reifenwechsel an die Box, doch mit ihren neuen harten Reifen fuhren sie deutlich schneller als Sebastian Vettel und Mark Webber. Der Australier war wegen eines Getriebewechsels vor dem Start um fünf Plätze zurückversetzt worden, machte aber gleich nach dem Start einige Plätze gut.

Vettel rettete sich am Ende gerade noch vor Teamkollege Webber als Vierter ins Ziel, verstand aber noch nicht wirklich, warum die Reifen-Strategie nicht funktioniert hatte. „Offensichtlich haben die anderen nicht, wie erwartet, nach ihrem frühen Stopp im Verkehr Zeit verloren“, sagte er. Was ihn noch ärgerte: „Zu einer Zeit, wo ich durchaus noch Chancen auf einen Podiumsplatz hatte, habe ich hinter Sutil beim Überrunden fast sechs Sekunden verloren.“ So fragte er Adrian Sutil auch direkt nach dem Rennen: „Hast Du eigentlich keine Spiegel?“ Sutil antwortete: „Doch, hab ich!“. Vettel: „Dann solltest Du vielleicht auch mal reinschauen.“ Das Positive an diesem insgesamt nicht sehr glücklichen Wochenende beschrieb er so: „Dass wir auf einer Strecke, die uns eigentlich überhaupt nicht liegen sollte, vom Speed her mit McLaren durchaus mithalten konnten.“

So feierte am Ende McLaren-Mercedes den zweiten Doppelsieg in Folge. In der Schlussphase gelang es Button, den lange auf Rang zwei liegenden Fernando Alonso auszutricksen, als beide in heftigen Überrundungsverkehr gerieten. Hamilton übernahm mit 109 Punkten die WM-Führung vor Button (106) und Webber (103), Vettel bleibt mit 90 Zählern Fünfter. „Es war ein interessantes Rennen, immer im richtigen Moment das richtige zu tun, war nicht einfach“, sagte Hamilton.

Das Mercedes-Team holte nach dem Desaster im Qualifying, als es Michael Schumacher nicht einmal in die Top Ten geschafft hatte, nur mit einem Auto Punkte. Nico Rosberg wurde Sechster, Schumacher hingegen wurde in der letzten Runde noch von den Force-India-Piloten Vitantonio Liuzzi und Adrian Sutil überholt und fiel auf Rang elf zurück. „Am Start war ich zur falschen Zeit am falschen Ort, da war nur Chaos vor mir, ich musste nur bremsen“, sagte Rosberg, „danach war das Rennen aber ganz okay.“

Schumacher hatte einen zusätzlichen Reifenstopp einlegen müssen, nachdem er sich im Duell mit Robert Kubica einen Reifenschaden eingefangen hatte. „Dann hängt man halt hinten irgendwo fest“, sagte er, „ich traf die Autos, die im Top Speed zu der Zeit überlegen waren, am Schluss, als ich kaputte Reifen hatte.“ Es war nach dem Ausfall in Malaysia und Platz zwölf in Monaco sein drittschlechtestes Ergebnis in dieser Saison.

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