Sport : Weich gelandet

Silke Spiegelburg gewinnt beim Istaf und versöhnt sich mit dem Berliner Olympiastadion

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Aufgerollt. Silke Spiegelburg übersprang beim Istaf als Einzige 4,71 Meter. Foto: dpa
Aufgerollt. Silke Spiegelburg übersprang beim Istaf als Einzige 4,71 Meter. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Auf der Ehrenrunde, mit einer Deutschlandfahne in der Hand, dürfte Silke Spiegelburg endgültig ihren Frieden geschlossen haben mit diesem Ort. Beim Istaf im Berliner Olympiastadion hatte die 25-Jährige gerade das Stabhochspringen gewonnen. Sie bummelte auf der Ehrenrunde ein bisschen, um die Stimmung vollständig aufnehmen zu können. Zwei Jahre zuvor hatte sie im Olympiastadion nichts und niemand mehr sehen wollen.

Eine einmalige Chance hatte vor ihr gelegen, sie musste einmal 4,75 Meter überspringen und hätte ihre erste Weltmeisterschaftsmedaille gewonnen, Silber, mit einem weiteren Sprung sogar Gold. Mit ihrem ersten Versuch scheiterte sie so knapp, dass sie später sagte: „Das war der beste Sprung, den ich in meinem Leben gemacht habe. Der hat sich so gigantisch angefühlt.“ Durch eine leichte Berührung fiel die Latte jedoch mit ihr in die Tiefe, weil sie den Abstand zwischen Einstichkasten und den Ständern, auf denen die Latte liegt, nicht richtig gewählt hatte. Und in den zwei verbleibenden Versuchen fehlte ihr dann die Leichtigkeit. Es blieb Platz vier und Silke Spiegelburg kauerte minutenlang zu einem Paket gekrümmt weinend auf dem grauen Boden des Stadioninnenraums.

Am Sonntag reichten ihr gemeisterte 4,71 Meter zum Sieg, zu einem späten kleinen Trost für die verpasste WM-Medaille. Und zu einem schönen Abschluss einer Saison, in der es mit der Medaille wieder nicht geklappt hat. Bei der WM in Daegu war Spiegelburg Neunte geworden. Die Begründung dafür klingt etwas kurios: Sie war ein wenig zu gut. Zu gut für ihre Stäbe. „Dass ich so viel Energie hätte, das hätte ich vorher nicht gedacht.“

Das Stabhochspringen ist eine komplizierte Angelegenheit und die einzige Disziplin der Leichtathletik mit Hilfsmittel. Die Athleten müssen Länge und Härte der Stäbe genau auf ihren Stil anpassen. Spiegelburgs Stäbe, mit denen sie in Südkorea sprang, waren zu weich. Oder andersherum: Sie lief zu schnell an und hatte zu viel Dynamik. „Ich werde jetzt deutlich härtere Stäbe bestellen müssen“, sagt sie. Bis die geliefert sind, könne es zwei Monate dauern. Immerhin wären sie rechtzeitig zum Springen in der Halle da, in der Halle hat Spiegelburg bei Europameisterschaften schon zwei Silbermedaillen gewonnen, im Freien wurde sie bei der EM 2010 ebenfalls Zweite.

In diesem Jahr hat sie ihre Bestleistung in der Halle auf 4,76 Meter verbessert und im Freien auf 4,75. Und die Saison hat sie nicht nur mit dem Gewinn der Diamond League, sondern auch mit einer Versöhnung mit dem Berliner Olympiastadion abgeschlossen. Jetzt ist Zeit für Urlaub. „Ich werde ein paar Städtetrips machen“, sagt Spiegelburg, „Amsterdam, Hamburg – und vielleicht auch Berlin.“

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