• Weich und lustlos - die italienischen Medien gehen mit Michael Schumacher weiterhin sehr hart ins Gericht

Sport : Weich und lustlos - die italienischen Medien gehen mit Michael Schumacher weiterhin sehr hart ins Gericht

Elmar Dreher,Bernhard Krieger

Fassungslos, frustriert und verbittert hüllen sich die Ferrari-Verantwortlichen auch zwei Tage nach dem Schock des Startverzichts von Michael Schumacher in Schweigen. Die italienische Presse verschärfte dagegen ihre Kritik an dem zweimaligen Weltmeister. Die Fachblätter warfen dem Formel 1-Star Angst, Wehleidigkeit, eine angeknackste Psyche und reines Eigeninteresse vor. "Schumi entdeckt die Angst", stempelte "Tuttosport" den Deutschen zum Feigling ab. Der 30 Jahre alte Kerpener genoss derweil den freien Dienstag mit Familie in seiner Schweizer Villa. Heute fliegt er zu einer Papst-Audienz in den Vatikan, und am Donnerstag steht er wieder seinem Arbeitgeber für einem PR-Termin in Maranello zur Verfügung.

Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo und Sportchef Jean Todt verkniffen sich nach dem für sie so schmerzlichen Comeback-Aufschub ins nächste Jahr bislang jeglichen Kommentar. "Alles, was Michael am Montagabend bei der Pressekonferenz gesagt hat, deckt sich mit Ferraris Vorstellungen", sagte eine Unternehmens-Sprecherin der dpa am Dienstag auf Anfrage. Weder di Montezemolo noch Todt seien zu sprechen. Die einzige offizielle Stellungnahme drückt allerdings deutlich aus, wie es um den Gemütszustand der Scuderia-Chefs bestellt ist, und wie diese tatsächlich über Schumachers Entscheidung denken, bei den Titel entscheidenden Rennen in Malaysia und Japan nicht zu fahren. "Schumacher arbeitet in Mugello für Ferrari, nicht für sich selbst", hatte Kommunikationsdirektor Antonio Ghini nach den Tests betont, dass der Deutsche noch Angestellter des Konzerns sei.

Dagegen hieb die Fachpresse schonungslos und mit teilweise beißendem Spott auf ihren einstigen Liebling ein. "Der Pilot ist noch da, aber der Mensch steckt in der Krise. Ferrari steht am Scheideweg: Hilft man Michael beim psychologischen Aufbau oder plant man eine Zukunft ohne ihn?", stellte "Tuttosport" sogar die vertraglich bis 2002 fixierte Zusammenarbeit in Frage. "Schumacher konnte die Gespenster, die ihn seit dem 11. Juli begleiten, nicht verjagen", mutmaßte das Blatt, dass der Pilot seinen schweren Unfall von Silverstone mit Schien- und Wadenbeinbruch sowie Fersenverletzung psychisch noch nicht verarbeitet habe.

Eine Kombination aus Weichheit und Unlust warf die "Gazzetta dello Sport" dem 35-maligen Grand Prix-Sieger vor. "Schumi ist sehr schnell, aber zerbrechlich", titelte die Zeitung und erinnerte blumig an die Rückkehr seiner ebenfalls schwer verletzten Vorgänger Niki Lauda und Clay Regazzoni in den 70-er Jahren. "Denken wir an die noch blutenden Wunden von Lauda, als er nach dem Drama vom Nürburgring zurückkehrte. Oder an Clay Regazzoni, der mit gebrochener Rippe antrat, sich den Sitz abschneiden ließ und fuhr, als sei nichts gewesen. Das ist es, was Piloten zu einer anderen Rasse macht. Schumacher dagegen will nur fahren, wenn er hundertprozentig fit ist."

Der "Gazzetta" stieß vor allem sauer auf, dass Schumacher trotz seines gelungenen 69 Runden langen Testes, abgesehen vom glimpflichen Abflug, in der WM entscheidenden Phase nicht startet. Es bleibe "ein berechtigter Zweifel, wenn Schumi sofort wieder sehr schnell fährt und Irvines Zeiten unterbietet. Oder reicht etwa ein einbeiniger Schumi, um Irvine zu schlagen?", spottete das Blatt. Schumachers fehlende Lust zurück zu kehren, falle mit seinem "immer weniger verborgenen Wunsch" zusammen, seinem nordirischen Teamkollegen nicht zu helfen. "Ein Weltmeister Irvine wäre Schumachers Ruin. Dies reicht ihm aus, um sich über alle Bedürfnisse von Ferrari hinweg zu setzen", unterstellte ihm die "Gazzetta" Egozentrik. Schumacher hatte die Kritiken als unberechtigt zurück gewiesen.

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