Sport : Weiche Millionäre

Vor den British Open kritisiert Nick Faldo die europäischen Nachwuchsgolfer

Petra Himmel[Carnoustie]

Der Himmel über Carnoustie an der Ostküste Schottlands ist blau, das Wetter perfekt – und die Stimmung aggressiv. Nick Faldo, der bisher erfolgreichste britische Golfer, hat kurz vor Beginn der diesjährigen British Open am Donnerstag auf seine bekannt undiplomatische Art dem Nachwuchs in Europa die Leviten gelesen. „Die sind ja alle viel zu weich“, sagte er, „jeder geht mit jedem zum Mittagessen und anschließend spielen sie dann um ein paar Millionen Dollar Golf.“

Der letzte Major-Erfolg eines Europäers liegt im Jahr 1999, als Paul Lawrie auf dem Platz von Carnoustie im Play-off den Claret Jug gewann, die silberne Kanne für den Sieger. An Multimillionären mangelt es dem europäischen Golf nicht, wohl aber an Siegertypen. Der vormals viel gepriesene Sergio Garcia läuft Major-Erfolgen ebenso hinterher wie der Ire Padraig Harrington oder der Brite David Howell. Luke Donald hat gerade auf der griechischen Insel Santorini geheiratet und drei Wochen Urlaub gemacht, was seinem Golf in Carnoustie, dem schwersten Linkskurs der Welt, nicht sonderlich zuträglich sein dürfte. Ian Poulters Konzentration auf besonders modische Kleidungsstücke ist ungebrochen, und das Freundesgespann Darren Clarke und Lee Westwood befindet sich im freien Fall, was die Position in der Weltrangliste betrifft.

Immerhin hat Faldo zumindest einen Nachwuchsspieler mit Potenzial ausgemacht: Justin Rose, der in dieser Saison schon mit Rang fünf beim Masters und Platz zehn bei den US Open glänzte. Der 26-Jährige, der 1998 noch als Amateur Vierter bei der British Open in Royal Birkdale wurde, ist die Vorbereitung für Carnoustie penibel angegangen und hat sich Ende vergangener Woche zusammen mit seinem Coach ins Örtchen Sandwich in der Grafschaft Kent aufgemacht. Auf den Bahnen von Royal St. Georges, ebenfalls ein British-Open-Platz, hat Rose an der Finesse seiner Schläge gearbeitet, um mit den harten Fairways und buckligen Grüns in Carnoustie richtig umzugehen.

„Justin Rose macht Fortschritte“, sagte Faldo, der 2009 Kapitän des europäischen Ryder-Cup-Teams sein wird. „Ich habe mit ihm darüber gesprochen, wie es ist, wenn man bei einem Major am Wochenende in die Hitze des Gefechts kommt. Er ist da öfter dabei als die anderen. Und das sind wichtige Erfahrungen, die sich einfach ansammeln.“ Der Brite Rose kann von seinem Spielpartner Tiger Woods, mit dem er die ersten zwei Runden in Carnoustie bestreiten wird, ohnehin nur lernen. Der Weltranglistenerste hat in den vergangenen Jahren 11 von 31 möglichen Major-Titeln geholt.

Für Faldos Kritik mag sprechen, dass auch Woods im Gegensatz zu den meisten jüngeren Kollegen jegliche Form von Gemeinschaft meidet, vielmehr ein klassischer Einzelgänger ist. Keinen heranlassen an die eigene Person, sich ausgrenzen und absondern, das Innere abschotten vor der Außenwelt – all dies betreibt Woods mit einer Perfektion, wie es vor ihm nur der notorischen Einzelgänger Nick Faldo tat.

„Tiger Woods ist so, wie wir es früher waren“, resümiert der denn auch. „In unserer Zeit waren wir alle Kämpfer, alle eigenständige Individuen, und so wollten wir das auch haben.“ Nick Faldo, der am Mittwoch seinen 50. Geburtstag feierte, hat auf diese Weise dreimal die British Open gewonnen. Tiger Woods zog im vergangenen Jahr mit seinem Sieg in Royal Liverpool gleich.

0 Kommentare

Neuester Kommentar