Sport : Weicher im Sattel

Frauen erobern nach und nach den Galoppsport

Ingo Wolff

Berlin - Martin Rölke muss lachen. Dabei wippt sein rundlicher Körper mit jedem Atemzug mit. Ein Mann hat ihn gerade gefragt, wie viel man denn wiegen dürfe, wenn man Jockey werden will. „Na, 54 Kilo wären schon ideal“, antwortet der Galopptrainer. Damit war die Karriere für den Interessierten nach der ersten Frage beendet. Wäre der Fragende etwas leichter und kleiner gewesen, hätte sich Rölke vielleicht für ihn interessiert. Der männliche Nachwuchs ist rar geworden im deutschen Rennsport.

Noch ist Galopp weitgehend Männersache. Die guten Pferde sind überwiegend Hengste oder Wallache, und gute Jockeys sind meist männlich. Doch der Trend ist weiblich. „Ich habe 20 Bewerbungen von Mädchen, von Jungs keine“, erzählt Rölke. Mitte der Siebzigerjahre machten die ersten Frauen die Ausbildung zum Jockey. Heute finden deutsche Trainer kaum männlichen Nachwuchs und rekrutieren häufig junge Reiter aus Osteuropa. Oder Frauen.

Die Anzahl bei Stuten hat sich dagegen kaum erhöht. Sie bekommen in Deutschland bei großen Rennen zwar einen Gewichtsvorteil, können sich gegen die männlichen Gegner dennoch selten durchsetzen. Zum Ausgleich werden Stutenrennen veranstaltet, wie am Pfingstsonntag in Hoppegarten. Das ist als Listenrennen relativ wichtig und mit 20 000 Euro Preisgeld gut dotiert. So geht in Hoppegarten trotz des zeitgleich stattfinden Frühjahrsmeetings in BadenBaden ein interessantes Feld ins Rennen.

Obwohl die Zahl junger Reiterinnen deutlich zugenommen hat, sitzen beim Großen Hoppegartener Stutenpreis der Dreijährigen ausschließlich männliche Jockeys auf den sieben weiblichen Pferden. Bei solch großen Rennen werden Frauen selten eingesetzt – weil in der Spitze noch die Männer dominieren. Dabei hätte eine Frau bei den Stuten durchaus Vorteile. Das glaubt jedenfalls Melanie Sauer. Die Tochter des Erfolgstrainers Norbert Sauer reitet als Amateurin in Deutschland mit. Wenn auch diesmal nicht in Hoppegarten, weil dort nur Profis an den Start gehen. „Hengste brauchen einen stärkeren Reiter“, erzählt die 22-Jährige. Männliche Reiter könnten mehr Kraft aufbringen. „Stuten brauchen dagegen ein gefühlvolles Händchen“, sagt Melanie Sauer. „Wir gehen weicher mit Pferden um, klopfen es mehr und reden mehr.“ Gerade bei nervösen oder schwierigen Pferden wären Frauen leicht im Vorteil. Viele männliche Reiter sehen das Pferd eher als Sportgerät und reiten härter. Deshalb setzten Trainer eher auf männliche Reiter, auch in Hoppegarten.

Einen weiblichen Sieg wird es im Hauptrennen trotzdem geben. Allerdings keinen Doppelsieg.

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