• Weil sie die Nummer eins der Welt werden wollte, kehrte die Favoritin auf den Golden-League-Jackpot zur Leichtathletik zurück (Interview)

Sport : Weil sie die Nummer eins der Welt werden wollte, kehrte die Favoritin auf den Golden-League-Jackpot zur Leichtathletik zurück (Interview)

Marion Jones[Sie werden bereits jetzt mit Carl Le]

Marion Jones, Sie werden bereits jetzt mit Carl Lewis verglichen - wie finden Sie das?

Darüber freue ich mich, denn das ist natürlich ein großes Kompliment. Aber ich will mir mein eigenes Profil erarbeiten. Ich möchte, dass in 20 Jahren die Stars mit mir verglichen werden.

Sie haben sich für die WM viel vorgenommen...

Ja, ich habe ein hohes WM-Ziel. Aber ich glaube, es ist für mich gut möglich, Weltmeisterin über 100 m, 200 m, im Weitsprung und mit der 4x400-m-Staffel zu werden. Ich habe mich in den vergangenen Jahren gut weiterentwickelt. Durch mein hartes Training stellen sich jetzt die Erfolge ein.

Bei der Golden League gelten Sie als Favoritin auf den Jackpot. Wie sehen Sie Ihre Chancen, zum zweiten Mal in Folge den Jackpot zu knacken?

Ich hoffe, ich bleibe gesund. Dann werde ich auch noch am Ende der Golden League gut in Form sein und um den Jackpot laufen. Der ISTAF-Rekord über 200 m von 21,96 Sekunden (Katrin Krabbe, 1991, Anm. d. Red.) wäre ein Ziel für das Golden-League-Finale in Berlin.

Gibt es ein Erfolgsgeheimnis?

Wenn es eines gibt, dann würde ich es hier sicher nicht verraten. Ich habe sicherlich großes Talent. Aber auf diesem hohen Level reicht Talent alleine nicht aus. Mein Training ist sehr hart. Selbst in der Saison arbeite ich bis zu vier oder fünf Stunden täglich. Das machen neben mir nur sehr wenige Athletinnen auf der Welt. Außerdem liebe ich es Wettkämpfe zu bestreiten und zu gewinnen - alle diese Qualitäten zusammengenommen machen einen wahren Champion aus.

Welche Rolle spielt denn in diesem Trainingsprozeß die Gruppe mit der Sie ständig zusammen reisen?

Es ist wichtig für mich, dass ich meinem Mann C. J. Hunter, Trainer Trevor Graham, Manager Charlie Wells und dem Physiotherapeuten um mich herum habe, wenn ich durch Europa reise. Es fällt mir manchmal schwer, viele Wochen sehr weit weg von zu Hause zu sein. Aber dann helfen sie mir, mich wieder aufzubauen. Wir sind wie eine große Familie.

Stichwort Familie - wann werden Sie selbst Kinder haben?

Ich habe im Oktober 1998 geheiratet - aber Kinder möchte ich in naher Zukunft nicht bekommen. Warten Sie bis ins Jahr zweitausendirgendwann, dann können Sie diese Frage noch einmal stellen. Ich glaube, mein Mann ist auch dieser Meinung.

Wann haben Sie das erste Mal gemerkt, dass Sie schnell laufen können?

Als ich noch sehr jung war, lief ich manchmal schneller als mein älterer Bruder. Ich habe immer mit seinen Freunden mithalten können. Ich wußte, dass ich Talent habe, und dass ich im Sport Erfolg haben würde. Ich wusste aber damals nicht, welche Sportart ich später betreiben würde.

Hing es mit Ihren Verletzungen zusammen, dass Sie nicht beim Basketball geblieben sind?

Ich war als Jugendliche schon sehr erfolgreich in der Leichtathletik. Dann habe ich vier Jahre lang Basketball gespielt. Dass ich zur Leichtathletik zurückkam, hing nicht mit den damaligen Verletzungen zusammen. Ich war mit C. J. bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta. Diese Eindrücke dort haben mich inspiriert, zur Leichtathletik zurückzukehren. Ich wollte die Nummer eins der Welt werden.

Wie sehen Sie die Chancen, dass Sie den 100-m-Weltrekord brechen können?

Die 10,49 Sekunden von Florence Griffith-Joyner sind eine unglaublich gute Zeit, aber ich denke, es ist möglich, den Weltrekord zu brechen. So etwas wird spontan passieren, wenn vielleicht niemand damit rechnet. Denn an diesem Tag müssen alle Bedingungen perfekt zusammenpassen. Ich will noch sieben bis neun Jahre laufen und hoffe, dass ich bis zu meinem Karriereende den Weltrekord habe.

Eine so lange Karriere wie die der 39-jährigen Merlene Ottey planen Sie also nicht?

Nein, sicher nicht. Merlene Ottey ist ein Supertalent. Aber ich habe in der Zukunft auch noch andere Dinge vor - zum Beispiel eine eigene Familie.

Sie sind wochenlang unterwegs und wechseln dabei häufig die Stadt. Bleibt da noch Zeit für andere Dinge?

Eigentlich sehr wenig. Wenn man irgendwo mal drei oder vier Tage Zeit hat, dann gehen wir alle schon mal zum Shopping oder ins Museum. In Berlin waren wir ja beim "Glöckner von Notre Dame". Ein tolles Ereignis, besonders die Musik und die Bühnentechnik haben mir gut gefallen.

Sie haben im letzten Jahr den Jackpot gewonnen. Wenn Sie ihn erneut gewinnen, was machen Sie mit dem Geld?

Nun, ich werde es auf jeden Fall unter den hier anwesenden Journalisten verteilen... Nein, das meiste Geld geht zur Bank und zu meiner Familie. Ich will mich für die Zukunft absichern. Wenn ich nicht mehr laufe, möchte ich ein gutes Leben führen können.Marion Jones (23) kehrte erst im Frühjahr 1997 vom Basketball zur Leichtathletik zurück. Die Us-Amerikanerin, die sich schon als 16-jährige für die olympische US-Sprintstaffel qualifizierte, gewann bei der WM 1997 zwei Goldmedaillen. Das Gespräch mit der Favoritin auf den Golden-League-Jackpot wurde aufgezeichnet von Jörg Wenig und Ingo Wolff.

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