Sport : Weinen und siegen

Nach dem 2:1 in Wien klagt Dortmund über Addos Ausfall

Felix Meininghaus

Wien. Vor Beginn der ersten Uefa-Pokal-Dienstfahrt dieser Spielzeit hatte Gerd Niebaum unmissverständlich deutlich gemacht, was er erwartete. „Wir müssen im Kampfanzug nach Wien reisen“, verkündete der Präsident von Borussia Dortmund in martialischer Diktion. Zwar wirkten die gelben Dortmunder Trikots so kriegerisch wie ein Smoking mit Lackschuhen, aber die Profis hatten verstanden: Nach dem 2:1-Sieg bei Austria Wien kann Borussia Dortmund schon mal für die zweite Runde planen.

Der Auftritt in Wien war nicht nur die Versicherung, dass nach dem Aus in der Champions-League-Qualifikation kein weiterer Rückschlag auf internationalem Terrain folgt, sondern auch ein Akt der Wiedergutmachung nach den schlimmen Auswärtsauftritten in Köln und Stuttgart. „Die Mannschaft hat ein besseres Gesicht gezeigt als zuletzt“, verkündete Trainer Matthias Sammer erleichtert. Dennoch war dem Coach die gute Laune in den Katakomben des Ernst-Happel-Stadions vergangen. Eine neue Hiobsbotschaft aus der Personalabteilung sorgte dafür, dass Sammer keine große Lust mehr hatte, noch über Fußball zu reden. „Du kommst in die Kabine, und da liegt der Addo – das macht keinen Spaß mehr.“ Mittelfeldspieler Otto Addo schied in Wien mit Teilriss des vorderen Kreuzbandes aus – ausgerechnet in seinem rechten Knie, wo ihm zuvor schon zweimal das Kreuzband gerissen war. Mannschaftsarzt Markus Braun fuhr mit Addo nach Straubing, wo dem Spieler eine Schiene angelegt wurde, die er sechs Wochen lang tragen muss. Erst dann wird über eine Operation und ein mögliches Karriereende entschieden.

Es war die schwere Verletzung von Addo, die auch dem Gewinner des Abends die Stimmung verdarb. Dortmunds Langzeittalent Lars Ricken hatte den Führungstreffer vorbereitet, den Addo unmittelbar vor seiner Auswechslung erzielte. Später gelang ihm der Siegtreffer. Doch angesichts des tragischen Verletzungspechs des stürmenden Kollegen blieb für langen Jubel kein Raum. Nur für Mitgefühl. „Ich habe noch nie einen so sympathischen Kollegen gehabt wie Otto Addo“, sagte Ricken. „Ich bin tief betroffen.“

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