Sport : Weiß ist die Hoffnung

Ohne Schnee kein Ski. Das warme Wetter lässt reihenweise Wettbewerbe ausfallen

Lars Spannagel

Berlin - Das Wort der Stunde im Programm des internationalen Skiverbands (FIS) lautet „cancelled“. Ob Slalom im italienischen Livigno, Skispringen im tschechischen Harrachov oder Langlauf in Lapinlahti, Finnland: Überall in Europa werden Wintersportwettbewerbe in den nächsten Tagen und Wochen abgesagt. Der Grund: zu wenig bis gar kein Schnee. Das Wetter ist oft sogar zu warm, um Kunstschnee herzustellen.

Der Biathlon-Weltcup im österreichischen Hochfilzen kann am nächsten Wochenende wohl nur stattfinden, weil die Veranstalter mit 300 Lkw-Fuhren rund 12 000 Kubikmeter Schnee vom Großglockner herankarren. Die alpinen Rennen in St. Moritz und Val d’Isère müssen hingegen ausfallen, ebenso wie schon Ende Oktober der traditionelle Saisonauftakt auf dem Rettenbachgletscher in Sölden (Österreich). Trotz guter Bedingungen kann die derzeit laufende Nordamerika-Tournee des alpinen Weltcups nicht verlängert werden. Dem US-Skiverband fehlen zur Durchführung der Rennen 350 000 Euro. „Das ist einer der frustrierendsten Momente, seit ich im Skirennsport dabei bin“, sagte gestern Günter Hujara, der Renndirektor des FIS, „und das sind immerhin schon 32 Jahre.“ In Österreich sieht man die Absagen bisher gelassen. „Das ist noch keine Katastrophe“, heißt es beim Österreichischen Skiverband, „voriges Jahr hatten wir dafür eine geschlossene Schneedecke von Mitte November bis April.“ Dieses Jahr sehe es bisher leider schlechter aus.

Inzwischen müssen sich die Wintersportler in Europa in immer größere Höhen begeben, um akzeptable Trainingsbedingungen vorzufinden. Aber nicht nur für die Sportler sind das warme Wetter und die Ausfälle ein Ärgernis. Für die Veranstalter der Wettbewerbe bedeuten sie einen großen finanziellen Schaden. „Für St. Moritz entsteht ein Ausfall von ein paar Millionen Franken“, sagt Rennleiter Martin Berthod. Die Vorbereitungen für Abfahrt und Kombination der Frauen am 9. und 10. Dezember liefen auf Hochtouren. „Sicherheitsmaßnahmen, freiwillige Helfer, rund hundert Soldaten der Armee: Alles mussten wir wieder absagen“, sagt Berthod. Eine präparierte Piste konnte Berthod Kontrolleuren des FIS zum Stichtag gut eine Woche vor dem Rennen präsentieren, aber für die beim Weltcup vorgeschriebenen Sturzräume fehlte schlicht der Schnee. „Ein Rennen so früh in der Saison ist immer ein Risiko“, sagt Berthod, „normalerweise haben wir zu der Zeit aber immer Schnee.“ Bislang musste noch nie ein Weltcup in St. Moritz abgesagt werden.

Wie alle großen Wintersportveranstalter waren auch die Organisatoren von St. Moritz versichert, allerdings nur teilweise, wie Berthod bedauert: „Eine Absage kostet immer Geld.“

Für die Versicherungsbranche liegt das größte Risiko dagegen am Renntag selbst. „Der Gau für die Versicherer ist, wenn ein Rennen schon läuft oder am Renntag abgesagt werden muss“, sagt der Versicherungsmakler Wolfgang Steinmayr, dessen Firma die Versicherungen für alle alpinen Rennen und Skispringen in Österreich und Italien vermittelt. „Am Renntag sind die Ausgaben für Helfer, Videowände, die Präparierung der Piste und Hotelzimmer natürlich schon immens,“ sagt Steinmayr. Wenn zwei Wochen vor dem Start abgesagt wird, sei das finanziell noch zu verschmerzen. Die Wetterkapriolen haben die Branche vorsichtiger werden lassen. „Die Prämien sind in den letzten Jahren gestiegen“, sagt Steinmayr, „weil das Risiko immer größer wird.“

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