Sport : Weit genug vorn

Michael Schumacher ist mit dem zweiten Startplatz in Hockenheim zufrieden, denn Alonso geht von Platz sieben ins Rennen – Poleposition für Räikkönen

Christian Hönicke[Hockenheim]

Michael Schumacher weiß, was sich für einen guten Gastgeber gehört. Oder wie ist es anders zu interpretieren, dass sich der Formel-1-Rekordweltmeister während einer Veranstaltung seines Teams Ferrari vor dem Großen Preis von Deutschland in Hockenheim als DJ versuchte? Es ist nur fair, dass derjenige, der die Party einst gestartet hat, sich auch bis zum Ende um die Unterhaltung kümmert. Infolge des akuten Finanzmangels der beiden deutschen Rennstrecken wird es von der kommenden Saison an vermutlich nur noch einen Grand Prix in seinem Heimatland geben. Der Nürburgring soll sich künftig mit dem Hockenheimring abwechseln, dann wäre die Rennstrecke im Badischen erst 2008 wieder an der Reihe. Nach seinem zweiten Platz in der Qualifikation am Samstag hinter McLaren-Fahrer Kimi Räikkönen und vor Teamkollege Felipe Massa hat der Ferrari-Pilot die große Chance, den deutschen Motorsportfans mit einem Sieg am heutigen Sonntag (14 Uhr, live bei RTL und Premiere) zumindest eine kleine Entschädigung für das einstweilige Ende der Feierlichkeiten zu bereiten. „Ich hoffe, ihr habt morgen ein wenig Spaß“, sagte Schumacher gestern in Richtung der Fans, die auf den Tribünen saßen.

Schon seit Beginn dieses Rennwochenendes hatte sich ein versöhnliches vorläufiges Ende der Ära des Hockenheimrings als ständiger Formel-1-Austragungsort angekündigt. Die hohen Temperaturen in Deutschland machen Schumachers Hauptrivalen um den Sieg in Hockenheim und um den WM-Titel, dem Spanier Fernando Alonso, deutlich mehr zu schaffen als dem Deutschen. Alonsos Renault ist mit Michelin-Reifen bestückt, die zumindest am Samstag in der Hitze längst nicht so gut arbeiteten wie die Bridgestones, die Schumachers Ferrari auf der Straße halten. Der WM-Führende Alonso wurde deswegen gestern nur Siebter. „Das ist natürlich ein bisschen riskant, so mittendrin im Feld zu starten“, sagte Alonso im Hinblick auf das zu erwartende Gedränge in der ersten Kurve. Auch deswegen wäre Schumacher „bei meinem Heim-Grand- Prix lieber vom ersten Platz gestartet. Aber ich bin auch froh darüber, dass Kimi vorn dabei ist und Alonso da ist, wo er ist.“ Zumal Räikkönens Schnelligkeit wohl am besten mit der geringen Benzinmenge in seinem Auto zu erklären ist.

Der Auftakt zum vermutlich vorerst letzten Qualifikationstraining in Hockenheim geriet kurzweilig. Schon nach zehn Minuten hatte Scott Speed seinen Toro Rosso Aufsehen erregend von der Strecke befördert und damit eine Unterbrechung bewirkt. Der US-Amerikaner hatte in der traditionell unfallträchtigen Nordkurve ausgangs des Motodroms mehrere Pirouetten gedreht und war schließlich leicht in der Mauer eingeschlagen, blieb dabei aber unverletzt.

Auch danach wurde jenen Zuschauern, die auf spektakuläre Szenen warteten, einiges geboten. Zwar schieden mit Nico Rosberg (Williams) und Nick Heidfeld (BMW) früh zwei deutsche Piloten als 15. und 16. aus, dafür kümmerte sich das Brüderpaar Schumacher rührend um die Unterhaltung. Toyota-Pilot Ralf Schumacher überraschte die Zuschauer mit einem Rempler gegen McLaren-Pilot Pedro de la Rosa und wurde Achter. Sein Bruder Michael stand dem nicht nach, fädelte sich bei der Ausfahrt aus der Box knapp vor Alonso ein und zog sich dadurch den Zorn des Spaniers zu. „Fast hätte es gekracht“, sagte Alonso. „Normalerweise schaut man in den Rückspiegel. Keine Ahnung, warum er mich nicht gesehen hat.“

An den Protagonisten liegt es also nicht unbedingt, dass die Stimmung in der selbst ernannten Rennstadt Hockenheim sinkt. Die bunten, vornehmlich aber roten Flaggen hängen nicht mehr so zahlreich aus den Fenstern der Stadt wie noch vor ein paar Jahren, auch die Tribünen des Motodroms, die mehr als ein Jahrzehnt lang infolge des Schumacher- Booms nur mit viel Glück und Geld erreichbar waren, gerieten am Samstag bei weitem nicht an ihre Kapazitätsgrenze. Die Party neigt sich dem Ende zu. Vielleicht legt Michael Schumacher am Sonntag noch einen guten Rausschmeißer auf.

0 Kommentare

Neuester Kommentar