Sport : Weit weg vom Fußball

Bobic sorgt sich nicht um seine Zukunft bei Hertha

Friedhard Teuffel

Berlin - Fredi Bobic hat einige Zeit Urlaub in Florida und New York gemacht, und das war offenbar genau der richtige Abstand zu seinem Beruf. „Ich bin im Kopf gut erholt“, sagt er. Das liegt vielleicht auch daran, dass er nicht viel an Fußball gedacht hat. Nicht an die Nationalmannschaft und auch nicht an seinen Arbeitsplatz bei Hertha BSC.

Bobic hätte sonst zum Beispiel überlegen müssen, ob er sich nach dem Ausscheiden bei der Europameisterschaft weiterhin der Nationalmannschaft zur Verfügung stellt. „Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht“, sagt der 32 Jahre alte Stürmer, „wir haben ja noch nicht einmal einen Trainer.“ Wie es nach dem ebenfalls enttäuschenden Abschneiden in seinem Verein weitergehen soll, damit wollte sich Bobic auch vorerst nicht beschäftigen: „Für mich hat sich doch nichts geändert.“

Die Saisonvorbereitung hat für Bobic und Herthas drei andere Nationalspieler Arne Friedrich, Josip Simunic und Niko Kovac gestern jedenfalls mit einem Laktattest begonnen. Am Trainingslager in Tirol hatten die vier wegen der EM in Portugal nicht teilgenommen. „Die Vorbereitung ist kurz, das finde ich optimal“, sagt Bobic, und das ist eine seiner wenigen klaren Aussagen an diesem Vormittag. Gar nicht kommentieren möchte er die letzten Aussagen von Herthas Manager Dieter Hoeneß. Der hatte gesagt, dass auch Bobic und Kovac ihre Lektionen aus der vergangenen Saison gelernt hätten und sich nun ganz in den Dienst der Mannschaft stellen würden. Es war eine letzte Ermahnung des Managers an die beiden oft eigensinnigen Profis.

Die Frage ist nun, ob sich für Bobic tatsächlich nichts ändern wird in der neuen Saison. Im Trainingslager hat sein Sturmkollege Artur Wichniarek schließlich einen hervorragenden Eindruck gemacht. Er ist der Gewinner der Vorbereitung. Auch Nando Rafael scheint in guter Verfassung. Es könnte daher schwer werden für Fredi Bobic, vom neuen Trainer Falko Götz in die Anfangself genommen zu werden.

Bobic erträgt diese Situation mit seiner schalkhaften, ein wenig dickköpfigen Art. Sollen die anderen doch zeigen, dass sie hoch motiviert sind, er ist aus dem Alter raus, den harmonischen Mannschaftskollegen spielen zu müssen. Stattdessen stellt er sich lieber auf die Stufe vor der Umkleidekabine und macht sich über die Berichterstattung von der Europameisterschaft lustig. „Kaum bist du nur einen Schritt vor das Hotel gegangen, standen schon die ganzen Journalisten da. In Zukunft werden wir Big Brother haben, Pay-per-View aus unserem Poolbereich oder dem Hotelzimmer.“ Es scheint manchmal, als machten ihm solche Kurzreferate längst mehr Spaß als das Fußballspiel.

0 Kommentare

Neuester Kommentar