Sport : Weiter vorne ist sicherer

Borussia Mönchengladbach entfernt sich durch das 3:0 gegen Hansa Rostock von den Abstiegsplätzen

Andreas Morbach

Mönchengladbach. Nach den ersten zehn Minuten der zweiten Hälfte war die Zeit reif für eine Grundsatzentscheidung. Der FC Hansa Rostock, im Abstiegsduell bei Mönchengladbach 0:1 im Rückstand, gönnte sich gerade seine beste Phase des Spiels. Das war zwar noch lange nicht gut, aber gut genug, um die Borussia zu verunsichern und ihren Torwart zum Handeln zu zwingen. Jörg Stiel lief bis in die Mitte der eigenen Hälfte, breitete die Arme aus und bewegte sie mit Nachdruck in Richtung Hansa-Tor. Kommt mir bloß nicht zu nahe, sollte das bedeuten. Und es wirkte. Mönchengladbach entschloss sich gegen einen durchweg miserablen Gegner endgültig zum Fußballspielen und schickte das Team von Armin Veh am Ende mit einer 0:3-Niederlage zurück in den Nordosten der Republik.

„Es gibt Fußballer bei uns, die glauben, weiter hinten ist sicherer. Ich dagegen bin der Meinung, weiter vorne ist sicherer“, formulierte Stiel sein sportliches Credo, nachdem Mikael Forssell (63.) und Morten Skoubo (77.) die Führung durch Igor Demo aus der 37. Minute zu einem ansehnlichen Sieg ausgebaut hatten. Schwer hatte es Hansa den Hausherren abgesehen von schüchternen Strohfeuerchen unmittelbar vor und gleich nach der Pause allerdings nicht gemacht. „Drei Spiele vor Schluss so wenig Aggressivität zu zeigen, sich gegenseitig so wenig zu helfen, das ist unglaublich“, sagte der schwedische Nationalspieler Andreas Jakobsson und schämte sich für Hansas Auftritt.

Währenddessen fahndeten die Gladbacher nach ihrem mannschaftlich entschlossenen Riesenschritt Richtung Klassenerhalt nach ihren Besten. Und fanden sie, wieder einmal, in Forssell. Und erstmals auch in Marcel Ketelaer. Das windige Talent, zu Saisonbeginn als Leihgabe vom Hamburger SV an den Bökelberg zurückgekehrt, zeigte in der Saisondämmerung sein mit Abstand bestes Spiel für Gladbach. Die wichtigste unter zahlreichen gefährlichen Aktionen war die maßgerechte Flanke nach gut einer Stunde auf Forssell, die der Finne zum vorentscheidenden 2:0 einköpfte. „Ein unglaublicher Pass“, lobte der Finne den Kollegen. „Ich muss nur loslaufen und den Kopf hinhalten.“

Für wen der vom FC Chelsea Entliehene künftig seinen Kopf hinhalten wird – diese Diskussion fand auch gestern seine Fortsetzung. Behauptet Chelsea heute zum Abschluss der Premier League gegen den direkten Konkurrenten Liverpool Platz vier, können sie sich im Spätsommer für die Champions League qualifizieren. Und könnten trotz einer schon jetzt ansehnlichen Sturmreihe zusätzliche Kräfte im Angriff gut gebrauchen. Zum Beispiel Forssell. „Wenn ich in meiner Entscheidung frei wäre, wäre Gladbach eine Alternative“, verkündete der 22-Jährige, der von den Borussen-Fans mit einem Transparent („Mikael, wir bieten dir hier ein zu Hause“) umgarnt wurde.

Das hören sie natürlich gern in Gladbach. Noch schöner war allerdings das 1:4 von Bayer Leverkusen in Hamburg. Auch für Hansa Rostock.

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