Sport : Weiterbildung im Kaukasus

Heute kann Hertha BSC in den Uefa-Cup einziehen. Das Spiel bei Ameri Tiflis soll den Verein und vor allem die jungen Spieler nach vorn bringen – auch wenn danach weitere unattraktive Gegner drohen

Stefan Tillmann

Berlin - Die zweitägige Reise in den Kaukasus ist nur eine Etappe in dieser wichtigen Woche beim Fußball-Bundesligisten Hertha BSC, wenn auch die strapaziöseste. Vier Stunden dauert der Flug nach Georgien, wo Hertha BSC heute Abend (19 Uhr, live auf Eurosport) gegen Ameri Tiflis das Rückspiel in der zweiten Qualifikationsrunde des Uefa-Cups spielt. Nach dem 1:0-Sieg im Hinspiel reicht ein Unentschieden für den Einzug in den Uefa-Cup. Noch nachts fliegen die Berliner zurück nach Deutschland.

Nach dem 4:0-Heimsieg gegen Hannover 96 und dem besten Bundesligastart der Vereinsgeschichte sind die Berliner optimistisch: „Wir gehen mit breiter Brust in das Spiel. Wir sind die bessere Mannschaft“, sagte Falko Götz vor dem Abflug. Ameri Tiflis stand im Hinspiel mit neun Spielern am eigenen Strafraum. Hertha hatte einige Chancen, aber erst in der 90. Minute gelang Solomon Okoronkwo der Siegtreffer. Im Rückspiel könnte es für die Berliner leichter werden. „Zu Hause müssen sie mehr tun. Dadurch bietet sich Platz zum Kontern“, sagte Herthas Mittelfeldspieler Gilberto.

Hertha BSC plant ein Weiterkommen fest ein. Gegen den aktuellen Tabellenführer Georgiens lässt Falko Götz Arne Friedrich auf der Bank: „Wir müssen auf seinen körperlichen Zustand aufpassen, wir haben diese Saison noch viele Spiele.“ Das Weiterkommen sei gerade für die Entwicklung junger Spieler wichtig. Für Arne Friedrich wird wohl der 23-jährige Sofian Chahed die rechte Seite in der Viererkette besetzen. Im Trainingsspiel stand zudem auch Patrick Ebert in der ersten Elf. Der hochgelobte 19-Jährige wird wohl für Ellery Cairo zum ersten Mal von Beginn an spielen. Im Sturm setzt Götz auf Srdjan Lakic. Neuzugang Christian Gimenez wäre erst im Uefa-Cup spielberechtigt. Dort könnte Gimenez auf seinen alten Verein Olympique Marseille treffen. Ansonsten wären mit Metalurg Saporoschje, Tabellenvierzehnter in der Ukraine, und Suduva Marijampole aus Litauen durchaus auch unattraktive Gegner möglich. Fraglich, ob derlei Uefa-Cup-Spiele den erhofften Imagegewinn bringen.

Im Verein denkt mancher lieber an die relativ bequeme Auswärtsfahrt am Sonntag nach Hamburg, zum soeben qualifizierten Champions-League-Teilnehmer. „Das Spiel gegen den HSV ist für mich persönlich viel wichtiger als Tiflis“, sagte Mittelfeldspieler Pal Dardai. Die folgende Ligapause aufgrund der Länderspiele und des DFB-Pokals biete die Möglichkeit, drei Wochen auf einem vorderen Tabellenplatz zu stehen.

Auch Götz nannte den Gegner „unattraktiv“ und gestand: „Ich freue mich schon auf Hamburg.“ Er weiß, dass ein Scheitern Gift für die Euphorie wäre. Umgekehrt kann die internationale Belastung gerade in dieser Saison zum Problem werden. Viele junge Spieler sind noch zu schwach für die Startelf, falls die Erfahrenen sich bei den Strapazen verletzen. Die Schonung von Friedrich, noch vor dem Einzug in den Uefa-Cup, zeigt den Spagat zwischen Optimismus und Vernunft.

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