Weitsprung : Sebastian Bayer spingt nicht weit genug

Der 23-jährige Weitspringer Bayer springt mit verletztem Fuß - und scheidet in der Qualifikation aus.

Anke Myrrhe
Bayer
Sprang trotz Schmerzen. Sebastian Bayer im Olympiastadion. -Foto: dpa

18 Stunden nach seinem Ausscheiden in der missglückten Weitsprung-Qualifikation sieht Sebastian Bayer noch immer aus wie ein Kind, dem jemand gerade den Geburtstagskuchen geklaut hat. Mit tiefen Augenringen spricht der 23-Jährige im Hotel Berlin, Berlin von der großen Enttäuschung – und den noch größeren Schmerzen, die er in den vergangenen Tagen durchlitten hatte.

„Die größte Enttäuschung ist eigentlich, dass die ganze Qual nun umsonst war“, sagt Bayer. Ihm war in der Qualifikation am Donnerstagabend nur ein gültiger Sprung gelungen, doch die 7,98 Meter reichten nicht, wenn auch um sieben Zentimer. Da auch Nils Winter sich nicht qualifizierte, wird der Wettkampf (Samstag, 18.05 Uhr) ohne deutsche Beteiligung stattfinden.

Bei der WM wollte er unbedingt starten

Eine Kapselverletzung im linken Fuß, seinem Sprungfuß, hatte Sebastian Bayer in den vergangenen Trainingswochen behindert. „Jeden anderen Wettkampf hätte ich zu 100 Prozent abgesagt“, sagt Bayer. Aber bei der WM im eigenen Land wollte er unbedingt starten. Bundestrainer Uwe Florczak hatte ihm davon abgeraten. Doch es war Bayers Entscheidung, trotzdem anzutreten. Die Ärzte gaben ihr Okay. „Das verdient große Hochachtung“, sagt Florczak nun. „Er hat unter diesen Umständen eine fantastische Leistung gebracht und großen Kampfeswillen bewiesen. “

Könnte Sebastian Bayer die Zeit noch einmal zurückdrehen, er würde sich wohl anders entscheiden. Der Frust über diesen Wettkampf, in den er noch vor ein paar Wochen so viel Hoffnung gelegt hatte, ist in jedem seiner Sätze spürbar. Derart unglaublich war Bayers Satz auf 8,71 Meter bei den Hallen-Europameisterschaften in Turin, dass in der Folge über Messfehler spekuliert wurde. Doch er bestätigte wenige Monate später, dass dieser Sprung kein Zufall gewesen war: Bei den Deutschen Meisterschaften in Ulm sprang Bayer 8,49 Meter. Und wurde plötzlich zu einem Medaillenkandidaten für die WM. Die großen Erwartungen wurden durch Aussagen wie die des Bundestrainer noch gesteigert, der in regelmäßigen Abständen verkündet: „Sebastian ist ein Jahrhunderttalent. Niemand weiß, wie weit es gehen kann.“

Vielleicht war auch der Druck zu hoch

Die Verletzung ist eine Sache. Sie wird Bayer nun so schnell wie möglich operieren lassen, die Hallensaison wollte er ohnehin wegen eines Bundeswehrlehrgangs auslassen. Vielleicht aber kam auch der große Druck hinzu, der auf dem erst 23-jährigen Athleten lastet. Denn der Hype um Bayer war nach den Deutschen Meisterschaften enorm. Auch durch die Beziehung zu der Hürdensprinterin Carolin Nytra. Als „Traumpaar der Leichtathletik“ wurden die beiden medienwirksam inszeniert. Jetzt, nachdem beide Athleten in den Vorkämpfen der WM ausgeschieden sind, spricht Bayer offen darüber, wie sehr ihn das genervt hat. „Mich kotzen diese Unwahrheiten an, die da verbreitet werden“, sagt er. „Und dass unsere Beziehung so verkitscht wird. Wir machen doch nichts anderes, als Millionen andere Paare auch.“ Und sie hätten es sicher nicht nötig, sich und ihre Beziehung zu inszenieren. Vor einigen Wochen sah das noch ganz anders aus.

Am Ende quälte sich Bayer noch einen Satz heraus, der wohl einen versöhnlichen Abschluss bilden sollte: „Diese Erfahrung ist sicher für irgendwas gut. Ich weiß nur noch nicht wofür.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar