Weitsprung : Sebastian Bayer verpasst Finale

Schmerztabletten und Spritze halfen nicht: Sebastian Bayer trat mit einer Kapselverletzung zum Weitsprung an, hatte nur einen gültigen Versuch und verpasste das Finale.

Anke Myrrhe
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Versandet. 7,98 Meter reichten nicht für den Endkampf.DPA

Fünf Minuten vor der Qualifikation im Weitsprung hatte Sebastian Bayer noch überlegt: Sollte er wirklich antreten? Eine Kapselentzündung im linken Vorderfuß machte ihm seit einigen Wochen wieder Probleme, er hatte Schmerzen. Doch das hier waren schließlich die Weltmeisterschaften im eigenen Land, und die Ärzte hatten ihm bestätigt, dass die Verletzung auf keinen Fall schlimmer werden würde. Also entschied sich Bayer für einen Start. Rund eine Stunde später schien er diese Entscheidung bereits zu bereuen. Nur ein einziger gültiger Versuch gelang ihm. Und dieser ging 7,98 Meter weit – für das Finale am Sonnabend reichte das nicht.

Vorsichtige Medaillenhoffnungen hatte Sebastian Bayer ausgelöst, als er im Winter bei der Hallen-Europameisterschaft in Turin 8,71 Meter gesprungen war. Bei den Deutschen Meisterschaften in Ulm gelang ihm dann noch ein Satz auf 8,49 Meter, damit lag er in der Jahresbestenliste auf dem vierten Platz. Warum also sollte er nicht bei dieser WM vor heimischem Publikum eine Medaille holen? Doch dafür waren die Schmerzen im Fuß zu groß. „Es tat bei jedem Schritt weh“, sagte der 23-Jährige später einigermaßen deprimiert.

Bereits im Trainingslager in Kienbaum war die alte Kapselverletzung im Fuß wieder aufgetreten. Dort hatte Bayer noch auf Schmerzmittel verzichtet, im Wettkampf aber nahm er alles, was ging, um möglichst nichts zu spüren. Eine Menge Schmerztabletten und eine Spritze konnten aber keine Erleichterung bringen. „Ich dachte, es geht trotzdem“, sagte der Bremer, „aber die Bewegung der Zehen ist extrem eingeschränkt.“

Sebastian Bayer hatte gehofft, gleich zu Beginn einen weiten Satz hinzulegen und dann die Qualifikation abbrechen zu können, um den Fuß zu schonen. Die geforderten 8,05 Meter springt der 23-Jährige normalerweise ohne Probleme. Doch die ganze Woche konnte er nach eigener Aussage nur leichtes Training absolvieren. „Das ist sicher nicht die richtige Vorbereitung auf eine Weltmeisterschaft“, sagte er.

Besonders niedergeschlagen war Sebastian Bayer, weil er gespürt hatte, dass die Qualifikation trotz der Schmerzen nicht unmöglich gewesen wäre. Sein zweiter Sprung landete bei rund 8,20 Metern – zählte allerdings nicht, weil er übergetreten hatte. „Vielleicht hätte ja im Finale auch ein guter Sprung gereicht“, sagte er, wusste aber wohl selbst, dass das mehr ein Wunschdenken war. Auch die tolle Atmosphäre vor 57 937 Zuschauern im Olympiastadion konnte an seiner Niederlage nichts ändern. „Nun werde ich mich so schnell wie möglich operieren lassen“, sagte Bayer.

Da auch der Leverkusener Nils Winter, der auf 7,69 Meter kam, ausgeschieden ist, wird das Weitsprung-Finale ohne deutsche Beteiligung stattfinden. Sebastian Bayer zuckte am Ende nur noch mit den Achseln. „Ich habe eben diesmal kein Glück gehabt“, sagte er.

Dabei sah Sebastian Bayer so aus, als würde es noch eine Weile dauern, bis er dieses bittere Ausscheiden bei einem Wettkampf, für den er sich so viel vorgenommen hatte, richtig verarbeitet hat. Der Deutsche Meister verließ das Berliner Olympiastadion mit einem traurigen Gesicht.

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