Sport : Welches Niveau?

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Stefan Hermanns über

lernwillige Nationalspieler

Man sollte einmal noch, ein allerletztes Mal, daran erinnern, dass Rudi Völlers Wutausbruch vom vergangenen Samstag eigentlich eine niveaulose Unterhaltung war. Schon bald nämlich wird das vollkommen in Vergessenheit geraten. Längst ist der Bedeutungswandel im Gange, die Fernseh und Radiosender des Landes haben die Rede des Teamchefs als humoristisches, fast folkloristisches Element versendet; und seit dem späten Mittwochabend wird Völlers Ausfall nur noch in einem Sinne interpretiert werden: als psychologische Meisterleistung.

Wenn man nun solche Floskeln bemüht wie „an der Ehre gepackt“ oder „in die Pflicht genommen“, so ist das eine pädagogisch und psychologisch eher einfältige Deutung. Vielleicht haben die Nationalspieler in ihren freien Minuten nach dem Spiel gegen Island wirklich über ihre Situation nachgedacht, vielleicht sind sie zu der Erkenntnis gelangt, dass sich der Teamchef über das normale Maß hinaus für sie eingesetzt hat, und vielleicht sind sie zu dem Schluss gekommen, dass Völler blöd dastehen würde, wenn sie gegen die Schotten ähnlich dilettieren würden wie zuvor gegen die Isländer.

Das alles mag sein, aber Rudi Völler selbst hat solchen Interpretationen vorgebeugt, indem er jeglichen Hintergedanken abgestritten und seinen Wutausbruch zur Spontanreaktion erklärt hat. Wer will denn wissen, ob die Deutschen anders, also schlechter, gegen die Schotten gespielt hätten, wenn Völler nicht ausfallend geworden wäre?

Die beiden Spiele in Reykjavik und Dortmund haben jedenfalls ganz gut gezeigt, wie die Nationalspieler ticken. Für die Fußballer handelt es sich bei ihren Auftritten in der Nationalmannschaft um eine vergleichsweise schlecht entlohnte Nebentätigkeit. Das heißt nicht, dass man ihnen nur mehr Geld bezahlen müsste, damit sie besser spielten. Es heißt ganz einfach, dass die Spieler andere Prioritäten setzen: dass die Bundesliga, die Champions League, ihr Verein zuerst kommen, und dann erst die Nationalmannschaft.

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