Sport : Welp geht mit sich selbst hart ins Gericht

DIETMAR WENCK

Rebound-Mängel bescheren Albas Basketballern die Europaliga-Niederlage in BolognaVON DIETMAR WENCK BOLOGNA/BERLIN.Nicht immer ist es so leicht, den Grund für eine Niederlage zu erkennen."Rebounds schrieben die Geschichte dieses Spiels", erklärte Wendell Alexis die 73:80-Niederlage Alba Berlins am Mittwoch abend in der Basketball-Europaliga bei Teamsystem Bologna.47:30 lautete die Bilanz zugunsten der Italiener bei den vom Korb zurückprallenden Bällen.Allein unter dem Berliner Korb griffen die Gastgeber genauso oft zu wie die Gäste (je 22) - "die haben 22 Offensiv-Rebounds, das ist einfach zuviel", sagte Albas Trainer Svetislav Pesic.Und Co-Trainer Burkhardt Prigge ergänzte: "Ein paar mehr Rebounds, und wir hätten das Spiel gewonnen." Wer weiß das schon so genau.Kurios war, daß die Berliner bis kurz vor dem Ende genau das erreicht hatten, was sie wollten: dicht dranbleiben, sich nicht überrollen lassen, um in der Schlußphase die Partie noch zu wenden.Henrik Rödls Punkte zum 68:70, als noch 106 Sekunden zu spielen waren, Wassili Karassews Wurf zum 70:72 keine Minute vor Schluß - "da haben wir gedacht, wir sind nach wie vor in der idealen Position", glaubte nicht nur Christian Welp.Doch dann wieder zwei Punkte für Bologna durch Dominique Wilkins im Nachsetzen, ein Ballverlust von Henning Harnisch, und die Partie war gelaufen. Es zeichnet den 2,12-m-Center Welp aus, daß er nicht groß nach Ausflüchten gesucht hat, wer die Hauptverantwortung für die Niederlage trug."Hätte ich nur halbwegs anständig gespielt, hätten wir gewonnen", analysierte der 33jährige seine Leistung unnachgiebig.Wobei Welp besonders seine Offensivleistung unbefriedigend fand.Zu Recht, denn seine Wurfquote von 18 Prozent, nur zwei Treffer in elf Versuchen, war schlicht schwach.Daß sein direkter Gegenspieler Roberto Chiacig so fleißig punktete, traf ihn zwar auch ("Natürlich fühle ich mich dafür verantwortlich"), aber dies war laut Welp auch ein Ergebnis der Alba-Taktik.Die Konzentration sollte in erster Linie der Abwehr gegen Carlton Myers, Wilkins, David Rivers und Gregor Fucka gelten, hier sollte Welp aushelfen, wo es ging, in der stillen Hoffnung, daß Chiacig vielleicht Schwächen im Abschluß zeigen könnte.Er tat es nicht, Welp wurde immer unsicherer.Hinzu kam, daß die "Abwehr nach der Abwehr" nicht klappte.Zwar wurden die italienischen Werfer trefflich am Treffen gehindert, aber im Nachsetzen blieben die Berliner Verteidiger zu oft stehen.So hatte Bologna unter Albas Korb oft eine Überzahl - normalerweise ein Unding im Basketball. Trotzdem war Alba Berlins Vorstellung in der Hauptstadt des italienischen Basketballs - neben Teamsystem spielt auch Kinder Bologna in der Europaliga - aller Ehren wert.Die Mannschaft gab unter dem starken Druck sehr guter Einzelspieler, teilweise mit reicher NBA-Erfahrung, nie nach und war mehrere Male dicht dran, zum Ausgleich zu kommen.Einmal vergab Marko Pesic beim Stand von 34:37 einen Drei-Punkte-Wurf, im Gegensatz foulte er Myers, statt 37:37 stand es 34:40.Einmal rutschte dem wackeren Stephen Arigbabu beim simplen Korbleger der nasse Ball aus der Hand, statt 50:51 stand es kurze Zeit später 48:56.Es spricht indes für den Charakter des Berliner Teams, daß es sich auch von solchen Rückschlägen nicht entmutigen ließ.Deshalb waren Trainer und Mannschaft zwar am Ende enttäuscht, aber nicht unzufrieden. Auf der Rückfahrt zum Hotel klingelte das Handy von Manager Marco Baldi.Am Apparat: Geert Hammink, der verletzte neue Center Albas, der die Reise nicht mitangetreten hatte."Es war sehr eng", gab Baldi weiter, "verloren haben wir das Spiel durch die Rebounds." So war sie schließlich - die Geschichte dieses Spiels.

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