Sport : Weltklasse im und unterm Sattel

Ingo Wolff

Henk Brüger schaut mürrisch in die Runde. Der Holländer ist derzeit nicht gerade zum Scherzen aufgelegt. Keine lustigen Sprüche am laufenden Band, die mit seinem Akzent an Rudi Carell erinnern. Zu sehr drückt Brüger der wirtschaftliche Abschwung, der nun auch das CHI erreicht hat. Er bedankt sich zwar artig bei seinen Sponsoren, unterlässt es aber auch nicht, die Stadtpolitiker indirekt zu kritisieren, die nach seiner Ansicht immer noch nicht verstanden haben, eine Traditionsveranstaltung wie das CHI zu unterstützen. "Andere Städte der Welt wären stolz, hätten sie so ein Turnier wie das CHI", klagt Brüger.

Normalerweise kann der Veranstalter wenige Tage vor dem Internationalen Reitturnier mit einem Star der Reitszene werben, doch diesmal muss er sich mit einem Nachwuchsmann begnügen. So sitzt statt des angekündigten Topreiters Ludger Beerbaum dessen erster Stalljockey Marco Kutscher an der Seite von Henk Brüger und Turnierleiter Peter Krautwig. Dennoch versucht Brüger voller Zuversicht auf das heute beginnende CHI im Berliner Velodrom zu schauen. Vordergründig hat der Holländer, der das CHI in Berlin zusammen mit Kaspar Funke organisiert, auch allen Grund dazu. Aus der aktuellen Weltrangliste des Weltreiterverbandes (Fei) sind zehn der 15 besten Springreiter am Start und auch das Dressurfeld liest sich mit Isabell Werth an der Spitze ganz gut. Doch einige der großen Namen unter den Springreitern zieht es in diesem Jahr nicht nach Berlin. Die beiden Schweizer Markus Fuchs und Willi Mellinger fehlen ebenso wie Olympiasieger Jeroen Dubbelham und Weltcupsieger Rodrigo Pessoa.

Das liegt zum Teil daran, dass einige Reiter ihre Saison in diesem Jahr schon vorzeitig beendet haben oder zwischen den vielen Turnieren eine Pause einlegen. "Wegen der Maul- und Klauenseuche im Frühjahr ist das dicht gedrängte Programm im Herbst für einige Reiter und Pferde zu viel", sagt Krautwig. Tatsächlich ist das Programm nach vielen abgesagten Turnieren während der MKS recht eng, doch früher zog das CHI eben alle namhaften Reiter an, zumal es in diesem Jahr auch keine Konkurrenz anderswo gibt.

Am Preisgeld wird es wohl nicht liegen, die Veranstalter schütten 360 000 Euro bei den 22 Prüfungen aus. Fast ein Viertel des Gesamtetats. Allein beim Weltcupspringen geht es um 50 000 Euro und wertvolle Weltcuppunkte. Viel mehr sind es die schwierigen Rahmenbedingungen, die einige Reiter stören. Hugo Simon beklagt die beengten Verhältnisse in den Stallboxen und auf dem Abreitplatz. Er erinnert sich mit Wehmut an die Zeiten in der Deutschlandhalle, als der Platz zur Genüge vorhanden war. "Alles Quatsch", entgegnet Kaspar Funke, "wir haben hier eine gute Halle. Solange es in Berlin keine bessere Alternative gibt, bleiben wir hier. Außerdem haben wir in diesem Jahr einiges verändert und auf dem Vorplatz zusätzlichen Raum geschaffen." Davon müssen sich die Reiter aber erst noch überzeugen. Nach dem heutigen Start haben sie vier Tage Zeit dazu.

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