Sport : Weltmeister der Reisen

Hertha Zehlendorf geht zum 23. Mal auf Tournee

Paul Einhäupl

Berlin - Otto Höhne ist 80 Jahre alt – und kein bisschen müde. Er ist Ehrenpräsident des Verbandsligisten Hertha Zehlendorf und des Berliner Fußball-Verbandes. Otto Höhne begleitet seinen Verein seit mehr als 40 Jahren. Neben gewonnenen Meisterschaften und Pokalsiegen nennt Höhne noch einen weiteren Titel: als „Weltmeister der Weltreisen“ bezeichnet er Hertha 03 gern. Es gibt ja auch kaum eine andere Mannschaft, die so viel gereist ist wie die Zehlendorfer. Dieses Jahr tritt eine Reisegruppe mit 29 Mitgliedern die 23. Weltreise der Vereinsgeschichte an. Bis zum 8. März geht es nach Vietnam sowie auf die Philippinen.

Seit 1966 macht der Klub solche Weltreisen. Damals fuhr Höhne mit Trainer Fritz Wilde nach Chicago. Dort spielten Hertha 03 gegen amerikanische Teams. Die einzige Niederlage verbuchten sie vor 12 000 Zuschauern gegen das US-Nationalteam. Insgesamt war die Reise ein so großer Erfolg, dass das Auswärtige Amt 1968 Hertha Zehlendorf als „Botschafter des Sports“ nach Afrika schickte. Dort gewannen die Berliner gegen die Nationalmannschaften von Niger und Togo. Von da an machte Hertha 03 weitere 20 Reisen, selbst finanziert. Doch jede Weltreise hat „vorwiegend einen karitativen Charakter“, erzählt Höhne. So wurden die Einnahmen beider Spiele beim ersten Vietnambesuch gespendet, um 1000 Kunstglieder für kriegsgeschädigte Kinder zu bezahlen. Jedes Jahr spendet der Klub 1000 Euro nach Peru. „Das reicht schon, um eine Suppenküche zu finanzieren“, sagt Höhne. Vor zwei Jahren kaufte der Verein spontan ein Fischerboot für ein kleines Dorf in Indien. Aus Dankbarkeit versorgt die Dorfgemeinschaft nun ein Waisenhaus für ein Jahr kostenlos mit Fisch.

Michael Zimmer, Geschäftsführer und ehemaliger Bundesligaspieler, reiste 1973 als 17-Jähriger mit Otto Höhne um die Welt. Die Gartenparty beim thailändischen Botschafter kam ihm vor wie ein „Staatsempfang“, sagt Zimmer. 2007 wird Hertha 03 dem Bürgermeister Manilas eine Grußbotschaft von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit übergeben. Im Gepäck befindet sich auch eine Spende der Egidius-Braun-Stiftung des DFB, die beim Aufbau eines Waisenhauses in der philippinischen Vulkanregion helfen soll. Außerdem will der Verein ein Kinderkrankenhaus in den Bergregionen Vietnams unterstützen. Spiele werden spontan gegen dortige Prominentenmannschaften angesetzt. Der ehemalige Profi Toni Polster gab 100 Sätze Spielkleidung mit auf den Weg, und die Jugendstrafanstalt Berlin spendete selbst gemachtes Holzspielzeug.

In 40 Jahren hat Hertha 03 eine Entfernung zurückgelegt, die dem achtmaligen Umrunden der Erde entspricht, und vor mehr als einer Million Zuschauern 80 Partien gespielt – und 60 davon gewonnen. Doch Siege sind nicht alles für Hertha Zehlendorf bei diesen Reisen. Höhne sagt, er wolle „vor allem Herzen gewinnen“.

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