Sport : Weltmeister der Selbstbeherrschung

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Seoul (dpa). Figo ist zu Hause, Zinedine Zidane macht längst Urlaub, Raul indes will seinen Geburtstag in Asien feiern. Drei Tage vor dem WM-Finale am 30. Juni wird Raul Gonzalez Blanco 25 Jahre alt.

Yokohama heißt das Traumziel des Stürmer-Stars von Real Madrid, um dessen Einsatz die Spanier vor dem Viertelfinale gegen Südkorea am Samstag in Gwangju (8.30 Uhr, ARD) wegen einer Oberschenkelverletzung bangen. „Ich will die Weltmeisterschaft gewinnen. Die Menschen in Spanien sollen endlich wieder stolz auf ihre Nationalmannschaft sein“, kündigt Raul unverdrossen an.

Bis Donnerstag hat Raul wegen einer Muskelzerrung nicht trainiert. Das Rätselraten und die Sorgen rund ums spanische Lager sind groß. Kann er im Viertelfinale wirklich nicht spielen, oder blufft Trainer José Antonio Camacho nur? Raul ist der Schlüssel, mit ihm steht und fällt das Spiel der Spanier, auch wenn Camacho behauptet: „Wir haben viele, die an seiner Stelle spielen können.“ Als Raul bei der WM vor vier Jahren nur einmal über die vollen 90 Minuten zum Einsatz kam und lediglich ein Tor erzielte, musste die „Seleccion“ nach der Vorrunde die Koffer packen. Als er im EM-Viertelfinale vor zwei Jahren gegen Frankreich kurz vor Schluss einen Elfmeter verschoss, waren die Iberer ausgeschieden.

Die Tränen von damals sind längst getrocknet. Raul hat seitdem zwar nie mehr einen Elfmeter für Spanien geschossen, dafür aber bei der WM schon drei Tore erzielt. Der Mann mit dem ungewöhnlichen Torriecher schraubte seine Bilanz auf 28 Treffer in 55 Länderspielen. Raul ist kein Fußballer, der mit Kabinettstückchen glänzt. Er besticht vielmehr durch seine Abgeklärtheit und seinen unbändigen Willen.

„Er hat eine Selbstbeherrschung wie jemand, der schon drei Leben gelebt hat“, beschrieb Jorge Valdano jenen Teenager, der sich mit 17 Jahren und vier Monaten als jüngster Spieler das Trikot von Real Madrid überstreifen durfte. Der damalige Trainer hatte dem jungen Mann mit den unschuldig blickenden braunen Augen zum frühen Debüt in der Primera Division verholfen. Bald darauf verdrängte er den legendären Emilio Butragueño. Dass Raul einmal für Real spielen würde, hätte er sich als Kind nicht träumen lassen. Raul wuchs in einem Vorort von Madrid auf und verbrachte seine Jugend beim Rivalen Atletico. Als dessen Präsident Jesus Gil y Gil beschloss, die Nachwuchs-Akademie aus Kostengründen zu schließen, schnappte sich Real das ungewöhnliche Talent. Mit knapp 25 hat er inzwischen drei Meistertitel und dreimal die Champions League gewonnen.

„Wichtig bin nicht ich, sondern die Mannschaft“, sagt Raul. Aber Spaniens dreimaliger Fußballer des Jahres weiß, was ihm noch fehlt: „Solange man nichts mit seinem Land gewonnen hat, wird man nie zu den größten Fußballern der Welt gezählt.“

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