Weltmeister-Generation : Ritter von der traurigen Gestalt

Als wäre es der Preis für die Stunde ihres größten Triumphs, bekommen die Weltmeister von 1990 heute kein Bein auf den Boden. Die Entlassung Guido Buchwalds ist nur das jüngste von vielen bitteren Kapiteln.

Holger Schmidt[sid]
071128buchwald Foto: ddp
Guido Buchwald im Weltmeisterjahr 1990 -Foto: ddp

Aachen/BerlinAm Montag hat es auch noch Guido Buchwald erwischt. Nach nicht einmal fünf Monaten war der WM-Held von 1990 als Trainer des Fußball-Zweitligisten Alemannia Aachen entlassen worden. Was mit Euphorie auf beiden Seiten begann, endete mit dem ebenso deutlichen wie bitteren Fazit von Aachens Sportdirektor Jörg Schmadtke, man habe "im Sommer eine Fehlentscheidung getroffen".

Als Spieler war Guido Buchwald nicht nur ein erfolgreicher, sondern auch allseits geachteter Spieler und Sportsmann. Als Trainer der Urawa Red Diamonds im Japan gewann er alles, was es zu gewinnen gab. Seine erste Trainer-Station in Deutschland bleibt als Desaster in Erinnerung. Der Respekt vor dem Weltmeister war bei Spielern und Funktionären schnell geschwunden, nach Angaben der Welt soll sich Schmadtke schon vor Wochen bei seiner Mannschaft dafür entschuldigt haben, "was er ihr da für einen Trainer" geholt habe.

Vom Fußball-Gott zur Reizfigur

Doch damit befindet sich Buchwald unter den Weltmeistern von 1990 in guter Gesellschaft. Der damalige Kapitän Lothar Matthäus versuchte sich als Coach in Österreich, Ungarn, Serbien und Brasilien. Im Ausland gilt sein Name noch was, in Deutschland führt - wie in Frankfurt oder Nürnberg - das bloße Aufzählen der Reizfigur Matthäus zum Kandidatenkreis zu Fan-Aufständen. Jürgen Kohler, in Dortmund als "Fußball-Gott" gefeiert, hielt sich beim MSV Duisburg gerade mal elf Spiele lang. Sein Name taucht seitdem nur selten auf, wenn nach Entlassungen neue Namen gehandelt werden. Ganz raus zu sein scheint Andreas Brehme, der immerhin im WM-Finale im römischen Olympiastadion gegen Argentinien den 1: 0-Siegtreffer per Foulelfmeter erzielt hatte.

Die Helden der 90er-Mannschaft werden als Trainer einfach nicht ernst genommen. Insgesamt versuchten sich 13 der 22 Weltmeister von 1990 als Trainer oder Sportdirektor bei Vereinen. Nur vier davon haben aktuell einen Job. Und nur Bayer Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler ist in der ersten Liga tätig. Hinzu kommen noch Stefan Reuter als Manager des Zweitligisten 1860 München, Andreas Möller als Coach des Oberligisten Viktoria Aschaffenburg und Pierre Littbarski, der den japanischen Zweitligisten Avispa Fukuoka trainiert. Als Manager nicht mehr im Geschäft sind Uwe Bein (einst Kickers Offenbach), Thomas Berthold (Fortuna Düsseldorf) und Karlheinz Riedle (Grasshopper Zürich). Als vereinslose Trainer werden derzeit neben Buchwald, Matthäus, Kohler und Brehme auch Klaus Augenthaler und der frühere Bundestrainer Jürgen Klinsmann geführt. Die beiden letzteren haben sich aber durchaus bereits Meriten verdient. "Auge" coachte drei Erstligisten, "Klinsi" wurde seit seinem freiwilligen Ausscheiden beim DFB mehrfach vergeblich umworben.

Den Europameistern von 1996 geht's besser

Den früheren Mittelstürmer des VfB Stuttgart kann man aber auch gefühlt den Europameistern von 1996 zurechnen. Obwohl - oder weil? - noch frischer im Geschäft, haben sie sich dort deutlich breiter gemacht. Gleich fünf von ihnen arbeiten heute beim DFB; Oliver Bierhoff (Nationalmannschafts-Manager) und Matthias Sammer (Sportdirektor) sogar in führenden Funktionen und als neue Mitglieder im DFB-Präsidium. Andreas Köpke - als Ersatzkeeper aber auch ein 90er-Weltmeister - als Bundes-Torwart-Trainer, Dieter Eilts als erfolgreich arbeitender U21-Coach und seit Neuestem auch Steffen Freund als Assistenz-Coach der U20 komplettieren das Feld. Der Bundesliga verbunden sind Stefan Kuntz (Manager beim VfL Bochum), Markus Babbel (Assistenz-Coach VfB Stuttgart) und Oliver Kahn (Bayern München) als Spieler und Kapitän, Christian Ziege (Sportdirektor Borussia Mönchengladbach) ist auf dem Weg dorthin. Thomas Häßler arbeitet als Techniktrainer ebenfalls in der 2. Liga beim 1. FC Köln.

Die am logischsten klingende Erklärung für ein eigentlich nicht erklärbares Phänomen liefert wohl der 96er-Bundestrainer Berti Vogts. Die Europameister hätten sich "ständig mit der Materie auseinandergesetzt". Man habe damals "zu wenig Praktiker im Trainerbereich" gehabt, deswegen "machte ich ihnen klar, dass wir sie später brauchen". Der deutsche Fußball ist nicht zuletzt dank Bierhoff, Sammer und Eilts im Aufwind. Matthäus, Kohler oder Brehme sondieren derzeit weiter den Arbeitsmarkt.

Mit freundlicher Genehmigung von 11freunde.de.

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