Sport : Weltmeister im Pferdetausch

Jos Lansink siegt im Einzelwettbewerb der Springreiter – Meredith Michaels-Beerbaum gewinnt am letzten Tag der WM-Bronze

Jeannette Krauth[Aachen]

Es war das Finale der Frauen, drei gegen einen Mann – und dann gewann er doch. Jos Lansink aus Belgien ist der neue Weltmeister der Springreiter. Beezie Madden, USA, erritt Silber und für Deutschland bekam Meredith Michaels-Beerbaum Bronze. „Ich habe alles gegeben, und mit zwei Bronzemedaillen bin ich ganz glücklich“, sagte sie. „An eine Einzelmedaille habe ich vor der WM doch gar nicht gedacht!“

Zum Finale der Springreiter hatten sich vier Reiter qualifiziert. Sie mussten einen Parcours von acht Sprüngen absolvieren, erst mit ihrem eigenen, dann jedem Pferd der Konkurrenten. Ein Reglement, das das Einfühlungsvermögen des Reiters überprüft, testet wie sehr sie oder er mit einem unbekannten Pferd zurechtkommt. Erstaunlicherweise entpuppte sich ausgerechnet der neue Weltmeister als ein Kritiker dieses Systems. „Das sollte geändert werden“, sagte Lansink nach seinem Sieg. „Zwei Medaillen wären besser: eine für Pferdefreundlichkeit nach dieser Prüfung und eine, die am Ende des Springens der besten 25 Reiter vergeben wird.“ So wäre auch Beezie Maddens herausragende Leistung über die fünf Wettbewerbstage belohnt worden.

In der ersten Finalrunde begann Jos Lansik mit seinem Hengst Cavalor Cumano. Der Parcours hatte einfache Wege zu den Sprüngen, aber auch ein paar dicke Oxer. Lansink blieb wie erwartet fehlerfrei. „Edwina Alexander für Australien“, kündigte der Sprecher die nächste Reiterin an, und das Stadion tobte: Sie ist ein Publikumsliebling, denn mit der 32-Jährigen hatte niemand für das Finale gerechnet. „Innerhalb von einem Jahr habe ich mich von der Liste der Top 500 auf den 39. Platz hochgeritten“, erzählte sie, die in den Niederlanden trainiert. Sie blieb fehlerfrei, ebenso wie Michaels-Beerbaum für Deutschland mit Shutterfly und Beezie Madden mit Authentic.

Nach der ersten Runde wurden die Pferde getauscht: In einem abgesperrten Bereich darf der neue Reiter drei Minuten lang im Sattel sitzen, bevor es losgeht. Überhaupt nicht lustig fand das Shutterfly: Bei jedem Tausch hüpfte er von einer Seite zur anderen, wollte weder Sattel noch einen anderen Reiter.

„Ich wusste, das wird schwierig für seine Nerven“, sagte Meredith Michaels-Beerbaum später, „der braucht jetzt erstmal eine Woche Urlaub.“ Edwina Alexander ritt als Erste mit Lansiks Schimmel in den Parcours. Der Hengst wehrte sich gegen ihre enge Zügelführung, schraubte sich aber brav dennoch über jeden Sprung – null Fehlerpunkte. Meredith Michaels-Beerbaum legte mit Pialotta ebenfalls eine Nullrunde nach, ebenso Beezie Madden mit Shutterfly. Deren Wallach Authentic mochte Lansinks Reitweise nicht: er rannte, sperrte das Maul auf – und blieb fehlerfrei. Zur Halbzeit hatte kein Pferd eine Stange berührt. Auch beim dritten Pferdewechsel gab es wieder vier fehlerfreie Ritte. Beim vierten Pferdewechsel wurde es also spannend: Erst legte der kräftige Schimmel Cavalor Cumano mit der Amerikanerin eine Nullrunde vor. Der Hengst, vor dem sich alle Reiterinnen sorgten, weil er so gewaltig aussieht, entpuppte sich als das einfachste Pferd von allen. Er war sogar so nervenstark, dass Lansink ihn später bei der Ehrenrunde am langen Zügel an den tosenden Zuschauern vorbeigaloppieren ließ.

Lansink blieb also ohne Fehler, dafür kassierte Edwina Alexander in Runde vier einen Fehler mit Shutterfly. Meredith Michaels-Beerbaum blieb dagegen mit dem quirligen Authentic fehlerfrei. Das bedeutete: Keine Medaille für Australien und ein Stechen zwischen Jos Lansink, Meredith Michaels-Beerbaum und Beezie Madden um die Medaillenränge.

Jetzt durfte jeder Reiter wieder das eigene Pferd satteln. Jos Lansink startete als Erster, war schnell und fehlerfrei. Meredith Michaels-Beerbaums Shutterfly kassierte schon am dritten Sprung einen Fehler – also kein Gold für Deutschland. Später sagt Michaels-Beerbaum: „Ich habe schon beim Aufsteigen gemerkt, der ist so aufgeregt, das wird schwer.“ Beezie Madden startete schnell, und es sah lange gut aus: Doch Authentic, das einzige Pferd ohne einen Fehler in der Mannschaftswertung, riss am letzten Hindernis eine Stange. Das bedeutete Gold für den in den Niederlanden geborenen Belgier Jos Lansink, Silber für die schnelle Beezie Madden und Bronze für Meredith Michaels-Beerbaum.

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