Sport : Weltmeister im Training

Neun Teams bereiten sich in Österreich vor

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Berlin/Eppan - Bevor die Fußballwelt in Südafrika zusammenkommt, trifft sie sich erst einmal in Österreich. England, Honduras, Kamerun, Neuseeland, die Niederlande, Serbien, die Slowakei, Spanien und Südkorea – neun der 32 WM-Mannschaften haben sich in der Alpenrepublik einquartiert, um für das Turnier zu trainieren. Ein Grund hierfür ist die Höhenlage. Fünf der neun WM-Spielorte liegen auf über 1100 Metern, das Finale wird im 1753 Meter hoch gelegenen Johannesburg ausgetragen – auf diese Verhältnisse wollen sich die Teams vorbereiten.

„In Höhenlagen herrscht ein niedrigerer Luftdruck als in der Ebene, außerdem ist der Sauerstoffgehalt der Luft geringer“, erklärt Dr. Markus de Marées, Spezialist für Höhenmedizin an der Sporthochschule in Köln. Pro 1000 Höhenmeter nehme die Leistungsfähigkeit des Körpers um zehn Prozent ab – darum gehe etwa die bolivianische Nationalmannschaft bei Heimspielen in La Paz (3600 Meter) oft als Sieger vom Platz.

Ein Höhentraining führt dazu, dass der Körper zusätzliche rote Blutkörperchen bildet – und folglich mehr Sauerstoff transportieren kann. Das so aufgebaute Leistungsniveau könne bei entsprechendem Training auch in der Ebene gehalten werden, sagt de Marées. Für Südafrika hält der Mediziner diese physiologischen Anpassungsprozesse jedoch für gar nicht so gravierend. Ebenso wichtig für die Mannschaften sei, ein der Höhenlage angepasstes Körpergefühl zu entwickeln – und eines für den Ball, der bei dem verringerten Luftwiderstand ganz anders fliege: „Er kann weniger Effet aufbauen.“

Die Österreicher freuen sich über ihre Gastgeberrolle – auch aus wirtschaftlichen Gründen. „Bei uns stimmt das Paket: Hotels, Infrastruktur, Service“, sagt Johannes Empl, Leiter der Agentur Salzburger Land Fußball Camps (SLFC), des größten Anbieters im Land. Schon seit Jahren kämen internationale Teams zum Trainieren, die Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz habe der Entwicklung zusätzlichen Schwung gegeben. Empl organisiert in diesem Jahr nicht nur Trainingslager für drei WM-Teams, sondern auch für neun weitere Nationalmannschaften, die anreisen, um Freundschaftsspiele gegen starke Gegner zu machen – an diesem Mittwoch etwa spielt Polen in Kufstein gegen Serbien. Auch Aserbaidschan, die Vereinigten Arabischen Emirate und Rumänien sind da.

Wenn Anfang Juni alle Nationalteams abgereist seien, beginne der Übergang zum Klubgeschäft, sagt Empl. Rund 40 internationale Vereine – darunter Borussia Mönchengladbach, Ajax Amsterdam und Spartak Moskau – hätten bereits Trainingslager gebucht, bis zum Sommer rechnet Empl mit 40 weiteren Anmeldungen.

Aber auch in den angrenzenden Alpenländern wird trainiert. In der Schweiz bereitet sich nicht nur das eidgenössische Team vor, auch Algerier, Griechen und Japaner üben hier für die WM. Die Franzosen haben das höchste Quartier: Ihr Alpencamp in Tignes liegt auf 2100 Metern.

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