Sport : Weltmeister Kramnik wieder zurück am Brett

Martin Breutigam

Turin - Nach fünfmonatiger Turnierpause nahm Schachweltmeister Wladimir Kramnik seinen Springer in die Hand und stellte ihn aufs Feld f3, als ob er sich mit seinem früheren Lieblingszug auf alte, bessere Zeiten besinnen wollte. In diesem Moment, zu Beginn des Spitzenkampfes Russland gegen Deutschland bei der 37. Schacholympiade in Turin, konnte aber selbst Kramnik nicht ahnen, welch glänzende Karriere seinem Springer an diesem Tag noch bevorstehen sollte: Erst opferte der sich zum Schein, dann zerschlug er überraschend die Verteidigung des deutschen Topspielers Arkadij Naiditsch. „Nach 14 Zügen hätte ich eigentlich schon aufgeben können“, sagte Naiditsch nach der Partie.

Der junge Dortmunder kämpfte noch weitere 20 Züge, ohne das Unvermeidliche abwenden zu können (siehe Analyse). Am Ende der dritten Runde gewann das favorisierte russische Viererteam mit 2,5:1,5 Punkten, und Kramnik war ein erstaunliches Comeback gelungen. Zur Jahreswende hatte sich der an Arthritis leidende 30-Jährige in intensive ärztliche Behandlung begeben. In der „Oval Lingotto“, wo während der Olympischen Spiele noch die Eisschnellläufer herumflitzten, sitzt er zwischen Tausend anderen Denkern aus fast 150 Nationen.

Kramnik will Spielpraxis und Selbstvertrauen gewinnen, im Hinblick auf den für September verabredeten Vereinigungskampf zwischen dem Weltmeister im klassischen Schach und Wesselin Topalow, dem Weltmeister des Weltverbandes Fide. „Wladi ist hochmotiviert, er hat das Rauchen aufgegeben“, sagt Hensel. Das letzte Mal hatte der Künstler Kramnik dies im Jahr 2000 getan – und Garry Kasparow als Weltmeister abgelöst.

In Turin führt nach vier von 13 Runden Russland vor Armenien (je 13,5 Brettpunkte) und den Niederlanden (13,0). Die deutschen Männer (10,5) sind nach einer 1:5,2,5-Niederlage gegen Georgien auf den 25. Platz zurückgefallen.

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