Weltmeister Lewis Hamilton : Größer als die Formel 1

Lewis Hamilton ist alter und neuer Weltmeister. Er trägt die Formel 1 in ihrer wohl schwersten Krise. Doch das reicht nicht. Ein Kommentar

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Diese Saison wird nicht als die glanzvollste in die Geschichte der Formel 1 eingehen. Es war eine Saison, in der der Sport in den Hintergrund gedrängt wurde. Natürlich vom Tod Jules Bianchis, der an den Folgen seines schweren Unfalls starb. Aber auch von endlosen Diskussionen über das ungeliebte Motorenreglement, das alte Fans vertreibt und keine neuen hinzugewinnt. Von ohne Vorwarnung platzenden Reifen. Von Ausstiegsdrohungen großer Firmen wie Red Bull und Renault. Von der finanziellen Notlage der meisten Rennställe. Und von der lähmenden Unfähigkeit der Formel-1-Protagonisten, angesichts dieser Probleme gemeinsam mit Grand- Prix-Geschäftsführer Bernie Ecclestone den Weg in die Zukunft zu ebnen.

Dass die Formel 1 doch noch ein bisschen Glamour verbreitete, hat sie Lewis Hamilton zu verdanken. Mit seinem dritten Titelgewinn hat der Mercedes-Pilot nun jenen Weg eingeschlagen, den man ihm schon 2008 nach seinem ersten WM-Titel prognostiziert hatte. Der Brite prägt eine Ära in der Formel 1, seine Ära. Und angesichts der Souveränität im Duell mit seinem Stallrivalen Nico Rosberg und der Überlegenheit, die seinen Mercedes auch 2016 auszeichnen dürfte, muss man von einem weiteren Triumph ausgehen.

Eine Sportart ist immer nur so groß wie ihre Stars. Lewis Hamilton ist – neben Ferrari und Mercedes – das prächtigste verbliebene Pferd in Ecclestones Stall. Er ist die perfekte Mischung aus Sportler und Showstar. Er bedient die Ingenieure ebenso wie die Klatschspalten. Womöglich ist Hamilton inzwischen sogar größer als sein Sport, so wie es Usain Bolt in der Leichtathletik ist und Tiger Woods im Golf mal war. Seine schillernde Persönlichkeit, sein exaltiertes Auftreten, sein höchst abwechslungsreiches Leben neben der Strecke, sein Talent am Lenkrad, kurz: seine Aura gibt der Formel 1 in ihrer wohl schwersten Krise ein wenig Halt. Doch jede Ära geht einmal zu Ende. Und wenn die Rennserie eine Zukunft haben will, muss sie mehr bieten als nur Lewis Hamilton.

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