Sport : Weltmeister ohne Trainer

Der Hockey-Bund will endlich den Nachfolger von Bernhard Peters vorstellen

Stefan Hermanns

Berlin - In der vorigen Woche stand für die deutschen Hockey-Nationalspieler ein lästiger Termin an: der alljährliche, immer im Herbst stattfindende Athletiklehrgang, bei dem die Spieler erfahren, wie sie sich im Winter fit halten sollen. Der Termin war schon zu Beginn des Jahres von Bernhard Peters festgelegt worden, die Spieler sollten ihn in ihrer Planung berücksichtigen. Das hätten sie sich sparen können. „Das ist im Sande verlaufen“, sagt Nationaltorhüter Uli Bubolz. „Wenn es keinen Bundestrainer gibt, kann auch niemand zum Lehrgang einladen.“ Das Bedauern hielt sich in Grenzen: „Wir Spieler haben kein Problem damit, diesen Lehrgang nicht besuchen zu müssen.“

Wenn die deutschen Hockeyspieler heute in Köln zusammenkommen, um noch einmal den Weltmeistertitel zu feiern, sollte eigentlich auch das grundsätzliche Problem gelöst sein: dass die deutsche Nationalmannschaft seit der WM, seit dem Wechsel von Bernhard Peters zu Fußball-Regionalligist TSG Hoffenheim, ohne Bundestrainer ist. Stephan Abel, der Präsident des Deutschen Hockey-Bundes, hofft den Nationalspielern schon am Freitag den neuen Bundestrainer präsentieren zu können. „Davon gehe ich aus“, sagt er. „Ich hoffe, dass es dann rund ist.“

Stimmt nicht, sagt Uschi Schmitz, die Geschäftsführerin des DHB. Bei der Feier der Weltmeister werde niemand aus der Verbandsspitze dabei sein, da zur selben Zeit Vorstand und Präsidium des DHB tagten. Dann soll die Entscheidung über Peters’ Nachfolge fallen und am Montag der Öffentlichkeit bekannt gemacht werden. „Das ist momentan unsere Zielsetzung“, sagt Schmitz.

Ursprünglich wollte der DHB den neuen Trainer schon vor einem Monat vorstellen – unmittelbar nach der Weltmeisterschaft der Frauen in Madrid. Diese Terminierung hatte das Gerücht befeuert, dass der neue Bundestrainer der Männer nur Markus Weise, der alte Bundestrainer der Frauen, sein könne. „Gerüchte gibt’s immer in alle Richtungen“, sagt Bubolz, „aber für den Posten bei den Herren habe ich nicht viele andere Namen gehört“. Dass die Trainersuche trotzdem so lange gedauert hat, kann demnach nur daran gelegen haben, dass der DHB keinen Nachfolger für Weise gefunden hat.

„Es hat so lange gedauert, weil wir uns eine solche Aufgabe nicht leicht machen“, sagt Verbandspräsident Abel. „Das ist eben keine Position, die man leichtfertig an irgendjemanden vergibt, zumal es nur eine beschränkte Anzahl von Kandidaten gibt.“ Offenbar hat die eigens eingesetzte Trainerfindungskommission nun den passenden Bewerber aufgetan. Die Verbandsspitze muss dem Vorschlag am Wochenende noch zustimmen, anschließend sollen zunächst die Mannschaftskapitäne der betroffenen Nationalmannschaften informiert werden.

Nach dem Geschmack von Uschi Schmitz hätte die Angelegenheit gerne auch früher erledigt sein dürfen, zumal der DHB seit dem Februar auf den Fall vorbereitet war. Damals war Peters von Jürgen Klinsmann beim Deutschen Fußball- Bund als Sportdirektor ins Spiel gebracht worden. „Wir lassen uns von niemandem unter Zeitdruck setzen“, sagt Abel. Bis Mitte September habe sich der Verband noch mit einem anderen Thema beschäftigen müssen, mit der Organisation der WM in Mönchengladbach. „Wir hatten weder einen Headhunter noch einen riesigen Stab, der sich ausschließlich um die Trainersuche gekümmert hat“, sagt Abel.

Obwohl der DHB eine sehr defensive Informationspolitik betrieben hat, sind einige Namen an die Öffentlichkeit gelangt. Erster Anwärter auf den Posten bei den Frauen war der Holländer Eric Verboom, der die Männer des Eindhovener Klubs Oranje-Zwart trainiert und Coach der niederländischen U 21 der Frauen ist. Die Verhandlungen sollen an finanziellen Fragen gescheitert sein. Verboom will sich zu der Angelegenheit nicht äußern, „aus Respekt vor demjenigen, der neuer Bundestrainer wird“. Zweiter Kandidat war der Trainer der deutschen U 21, Uli Forstner. „Zu Namen sage ich nichts“, sagt Uschi Schmitz.

Markus Weise, der designierte Bundestrainer der Männer, hat seine Mannschaft erst in der vergangenen Woche für Mitte November zu einem Lehrgang nach Köln eingeladen: Die Einladung war an die Frauen-Nationalmannschaft gerichtet.

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