Weltmeister-Regel : "Da kann man stehenbleiben und Eis essen"

Kurz vor dem Saisonstart machen die ersten Stars der Formel 1 Front gegen die radikalen Regeländerungen. Im Mittelpunkt der Attacken steht der vom Automobil-Weltverband Fia beschlossene Modus, nach dem schon in diesem Jahr der Fahrer mit den meisten Grand-Prix-Siegen Weltmeister wird.

Jerez - „Ich verstehe nicht, warum ständig die Regeln des Sports verändert werden müssen“, schimpfte der zweimalige Weltmeister Fernando Alonso. Der Renault-Pilot forderte die sofortige Rückkehr zum bisherigen System, bei dem die Gesamtzahl der Punkte entschied. Formel-1-Chef Bernie Ecclestone hingegen rechnet dank der neuen Regel fest mit mehr Spektakel auf der Piste. „Die Jungs sollen wieder echte Rennen fahren“, sagte der 78-Jährige.

Doch die Piloten fühlen sich durch die Reform überrumpelt. „Natürlich ist es ein Anreiz, um immer auf Sieg zu fahren. Aber es scheint mir auch riskant“, urteilte Jenson Button. „Nach neun Rennen könnten wir schon einen Fahrer haben, der den Titel bereits gewonnen hat und dann stehenbleiben und Eis essen kann. Den Zuschauern wird es schwerfallen, das zu verstehen.“ Weltmeister Lewis Hamilton betonte: „Es sollte darum gehen, dass Team und Fahrer als Einheit über ein ganzes Jahr die besten sind. Nicht darum, wer die meisten Rennen gewinnt.“ Hätte es die neue Regel bereits im Vorjahr gegeben, wäre statt Hamilton Ferrari-Pilot Felipe Massa Weltmeister geworden.

Force-India-Pilot Adrian Sutil kommt es vor, „als ob verzweifelt versucht wird, die Formel 1 noch interessanter, noch spektakulärer zu machen. Dabei ist sie doch schon sehr interessant.“ Rekord- Champion Michael Schumacher teilt diese Meinung. „Ich kann keinen Sinn darin erkennen, eventuell einen Weltmeister zu haben, der weniger Punkte als der Zweitplatzierte hat“, meinte der Ferrari-Berater. Zudem könnte die neue Regel mehr denn je zur offiziell verbotenen Teamorder verführen. Wenn nur noch Siege über den Titel entscheiden, dürften die Rennställe bemüht sein, einen ihrer beiden Fahrer mit allen Mitteln möglichst oft auf Rang eins zu bringen. dpa

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