Sport : „Weltmeisterschaft des Lächelns“

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Yokohama (dpa). Entgegen allen Befürchtungen im Vorfeld haben die vom Weltverband Fifa zur gemeinsamen Ausrichtung genötigten Südkoreaner und Japaner einen würdigen Rahmen für die ersten Titelkämpfe in Asien und in zwei verschiedenen Ländern geschaffen.

„Es waren herrliche Stadien, eine tolle Logistik und ein wundervolles Publikum, das eine beeindruckende Atmosphäre des Fair Play kreiert hat“, meinte Fifa-Präsident Joseph Blatter. Allerdings setzte der Zuschauer-Zuspruch keine neuen Maßstäbe. 2 708 538 Fans sahen die 64 Spiele. Mit einem Schnitt von 42 320 Zuschauern pro Spiel war dies der geringste Zuspruch seit der WM 1982 in Spanien. In Japan war der Durchschnitt mit 45 061 deutlich höher als in Südkorea (39 580).

„Vielleicht war es fußballerisch nicht die beste, aber dafür eine der interessantesten Weltmeisterschaften. Sie war überraschend, attraktiv und unterhaltsam“, sagte Blatter. Mit dem Resultat, dass Asien erstmals zwei Achtelfinalisten stellte und sogar einen Vertreter im Halbfinale hatte. Ob der entfachte Fußball-Boom in beiden Ländern von nachhaltiger Wirkung ist, bleibt abzuwarten. Vor allem in Südkorea ist die Sorge groß, dass die brandneuen Stadien schnell zu ungenutzten Ruinen verfallen könnten. Und auch die Japaner befürchten, dass der dringend benötigte Schub für die kriselnde J-League ausbleibt.

Dessen ungeachtet feierten Südkoreas Verbandspräsident Chung Mong-joon und sein japanischer Kollege Shunichiro Okano die gemeinsame Ausrichtung als großen Erfolg. Mit ihrer Gastfreundschaft sorgten die Gastgeber für ein freundliches Ambiente und erwarben sich von Blatter den Titel „Weltmeisterschaft des Lächelns“. Nicht zuletzt dank der massiven Sicherheitsvorkehrungen war sie eine wohltuend friedliche Veranstaltung.

Sie brachte nicht zuletzt auch die beiden Gastgeber-Länder, die historisch bedingt ein sehr gespanntes Verhältnis haben, ein großes Stück näher. In einer gemeinsamen Stellungnahme dokumentierten die beiden Fußball-Verbände und die Organisationskomitees beider Länder ihre Annäherung: „Das Co-Hosting hat eine völlig neue Dimension in den bilateralen Beziehungen zwischen den beiden Ländern eröffnet.“ „Im Vorfeld haben alle gemeint, dass das nicht funktionieren würde. Aber das Gegenteil ist eingetreten, es hat wunderbar funktioniert“, bilanzierte Franz Beckenbauer, der als OK-Chef der nächsten Weltmeisterschaft vor einer großen Herausforderung steht: Denn bei der WM in Deutschland gehen erst einmal alle davon aus, dass alles funktioniert.

Ganz sicher wird es in vier Jahren andere Kriterien für die Nominierung der Schiedsrichter geben. Die Referees, vor allem die Linienrichter, sorgten mit ihren Fehlurteilen für großen Ärger. Dies hat die Fifa mit ihren Nominierungs-Kriterien selbst zu verantworten. „Wenn man einen Schiedsrichter und zwei Linienrichter aus drei verschiedenen Kontinenten hat, dann kann das gar nicht gut gehen“, urteilte Franz Beckenbauer und versprach, „dass man bei der nächsten WM anders verfahren wird.“ Dann sollen nicht nur die besten Spieler, sondern auch nur noch die besten Schiedsrichter dabei sein.

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