Sport : Weltpokalsieger- besiegerretter

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Stefan Hermanns über das unmoralische Angebot von Uli Hoeneß

Uli Hoeneß ist ein Mensch mit Lust an der Provokation. Und richtig lustig wird es für den Manager des FC Bayern München immer dann, wenn er so tun kann, als sei ihm völlig unbegreiflich, warum andere sein Handeln als Provokation auffassen. Gerade erst hat Hoeneß angeregt, der Bund solle sich finanziell für die Not leidende Fußballbranche engagieren – damit die Vereine ihren Stars auch weiterhin die gewohnten Gehälter bezahlen können. Das Schöne ist: Hoeneß meint solche Vorschläge ernst.

Gestern nun hat Hoeneß eine neue Idee auf die Welt gebracht: Der große FC Bayern will den ZweitligaAbsteiger St. Pauli mit einem Benefizspiel vor dem Ruin und dem Absturz in die Oberliga retten. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Münchner einem Klub in Not helfen. Aber ausgerechnet St. Pauli? Wenn die Münchner am Millerntor gespielt haben, war das immer eine Art Klassenkampf: hier der linke Klub vom Kiez, dort der bayerische Staatsverein, der sportliche Arm der CSU. Die Fans des Klubs tragen noch immer am liebsten ihre T-Shirts mit dem Aufdruck „Weltpokalsiegerbesieger“ aus dem vergangenen Jahr. Damals gewann St. Pauli 2:1 gegen die Bayern, es war der letzte Höhepunkt vor dem Absturz.

Uli Hoeneß ist der Lieblingsfeind der St.- Pauli-Fans, nirgendwo wird er wütender ausgepfiffen als am Millerntor. Hoeneß weiß das, und deshalb ist sein Angebot in hohem Maße unmoralisch, faustisch geradezu. Wenn der FC St. Pauli das Angebot annimmt, würde der Klub seine linke, antikapitalistische Seele verkaufen.

Dann vielleicht doch lieber Oberliga.

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