Weltreiterspiele : Zum Abschied weint der Himmel

Eine erfolgreiche Weltmeisterschaft der Reiter ist gestern abend in Aachen zu Ende gegangen. Trotz Regen endeten die Titelkämpfe mit erfreulichen Ergebnissen. Besonders die deutsche Equipe und die Veranstalter dürfen mit den Spielen zufrieden sein.

Aachen - Die Goldmedaillensieger der Pferdesportweltmeisterschaften sind am Sonntagabend in Aachen mit einem kräftigen Regenschauer verabschiedet worden. Die Reiter und auch die Zuschauer nahmen es gelassen, schließlich waren sie schon von den beiden Turnierwochen her einiges gewöhnt: 73 Liter Regen pro Quadratmeter hatte es in den 14 Tagen der Weltmeisterschaften geschüttet. Zum Vergleich: Normalerweise fallen im gesamten August in Aachen durchschnittlich 80 Liter.

Die Goldmedaillengewinner in den sieben Pferdedisziplinen (Springen, Dressur, Fahren, Eventing, Voltigieren, Distanzreiten und Reining) waren nach der Abschlussfeier im 40.000 Zuschauer fassenden Springstadion zum Abschied in einem Kutschen- und Pferdekorso vom Gelände der Weltreiterspiele zum Aachener Markt gezogen. Sie wurden umjubelt von der Aachener Bevölkerung und auswärtigen Besuchern, die zu Tausenden den Zugweg säumten und weiße Taschentücher schwenkten.

Etliche Kutschen, in denen die Einzelweltmeister saßen, und rund 250 Pferde und Reiter aus der Aachener Region bildeten den Korso in die Innenstadt, wo am Abend vor dem Aachener Rathaus mit rund 5000 Zuschauern der Abschluss der Reitsportweltmeisterschaften stattfand. Die Aachener sangen zum Abschied der Sportler: "Muss i denn zum Städele hinaus."

Ein Fest für Aachener und Besucher

Den traditionellen Abschied der Nationen hatten die Verantwortlichen des Aachen-Laurensberger Rennvereins (ALRV) aus dem Stadion in die Stadt verlegt. Auch der letzte Akt des 14-tägigen Spektakels sollte demonstrieren, dass die Weltmeisterschaften als Fest für alle Aachener und alle Besucher gedacht waren.

Ein Etat von 39,3 Millionen Euro, 852 Pferde, 773 Aktive aus 61 Nationen, 1200 Journalisten aus aller Welt, 120 ausländische TV-Stationen und Übertragungen in 157 Länder - das sind einige der Kernzahlen dieses Reitsportevents, das nach der Fußball-WM das größte in Deutschland in diesem Jahrzehnt gewesen sein dürfte. "Wir sind sehr glücklich", sagte Klaus Pavel, Präsident des ALRV, hochzufrieden. "Wir haben bei der Reitsport-WM aufregenden, spannenden und fairen Sport erlebt."

Rahmenprogramm mit 270 Veranstaltungen

Michael Mronz, Sprecher des WM-Organisationskomitees, lobte die gute Zusammenarbeit zwischen sportlichem Veranstalter ALRV und der Stadt und dem Kreis Aachen, die das kulturelle Rahmenprogramm mit über 270 Veranstaltungen, darunter 70 größtenteils kostenlose Konzerte in der Innenstadt, Straßentheater, Inszenierungen, Ausstellungen, Shows und, und, und organisiert hatten.

Auch Aachens Oberbürgermeister Dr. Jürgen Linden (SPD) zeigte sich begeistert von der tollen Atmosphäre. Die Öcher hätten, so Linden, der Welt einen äußerst sympathischen Eindruck davon vermittelt, wie offen, gastfreundlich und liebenswert die Kaiserstadt sei.

"Schwarze Null" geschrieben

Zum ersten Mal in der Geschichte der Weltreiterspiele, die erstmalig 1990 in Stockholm, dann in Den Haag, Rom und zuletzt 2002 in Jerez/Spanien stattfanden, schlössen die Veranstalter nicht mit roten Zahlen ab, sagte Mronz sichtlich stolz. Trotz des schlechten Wetters in den zwei WM-Wochen könne er die anvisierte "schwarze Null" bei der Finanzierung der WM verkünden.

"Durch den vielen Regen und die vielen Zuschauer mussten wir natürlich noch weiter investieren, zum Beispiel in den Boden, aber auch in Transport und Verkehr. Aber da 80.000 Zuschauer mehr als erwartet in die Soers gekommen sind, konnten wir diese erhöhten Kosten ausgleichen", sagte Mronz. Insgesamt waren in den 14 Tagen 576.000 Zuschauer in Aachen, davon über 150.000 aus dem Ausland. Mit einem großen zehnminütigen Höhenfeuerwerk, das synchron von WDR 2 im Radio mit einer Rock- und Pop-Musikcollage begleitet wurde, endeten am Sonntagabend die ersten Weltreiterspiele in Deutschland. (tso/ddp)

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