Sport : Weltrekord eines Besessenen

Montgomery sprintet 9,78 Sekunden und löst sich vom übermächtigen Greene

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Paris (Tsp). Tim Montgomery muss besessen gewesen sein von dem Gedanken, anders ist alles nicht zu erklären. Besessen von dem Gedanken an Maurice Greene aus Los Angeles und den 100-m-Weltrekord. Greene hielt den Weltrekord von 9,79 Sekunden seit 1999, und der US-Sprinter Montgomery erklärte im Sommer, „ich bin im Krieg mit Greene. Ich möchte ihn als schnellsten Mann der Welt ablösen.“ Von einer Revolution, die die Welt erschüttert, faselte Montgomery.

Seit gestern ist Tim Montgomery, 27, aus Gaffney (South Carolina) am Ziel. Tim Montgomery ist der schnellste Mann der Welt. Er lief in Paris, beim Grand-Prix-Finale, 9,78 Sekunden. Weltrekord. „Ich habe zuerst gar nicht bemerkt, dass ich Greenes Marke geknackt hatte“, sagte der 27-Jährige. Der Brite Dwain Chambers stellte zudem den Europarekord von 9,87 Sekunden ein.

Montgomery lief Weltrekord, aber er löste keine Revolution aus. Er hatte 2,0 m/s Rückenwind, die gerade noch erlaubte Toleranz. Er hatte also optimale Bedingungen. Und bei einer solchen Zeit muss man immer den aparten Hinweis hinzufügen, dass in den USA Dopingkontrollen im Training bei Topleuten nahezu unbekannt sind.

Montgomery war dran an dem Rekord. Er lief im Sommer 9,89 Sekunden, er ist WM-Zweiter von 2001, er hatte nur wegen seines mäßigen Starts immer gegen Greene verloren. Deshalb stand er immer im Schatten des anderen. Aber als er im Sommer bei den US-Meisterschaften gegen Greene lief, konnte er vor Aufregung vor dem Rennen nicht schlafen. Er unterlag mit einer Hundertstelsekunde Rückstand.

Gestern aber startete Montgomery mit einer sensationellen Reaktionszeit (0,104 Sekunden). Und holte, quasi nebenbei, in letzter Sekunde auch noch den Grand-Prix-Gesamtsieg. Der Sprinter kassierte in Paris insgesamt 250 000 Dollar. Schön. Aber: Geld? Er hat den Weltrekord. Das ist viel wichtiger.

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