Weltweite Übertragung : Albas großer Auftritt gegen Maccabi Tel Aviv

Albas Duell in der Euroleague mit Maccabi Tel Aviv wird weltweit übertragen – sogar in Burkina Faso. Doch das Spiel ist nicht nur deswegen ein ganz Besonderes für die beiden Teams.

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Dunkings mit Symbolkraft. Maccabi (hier Nationalspieler Lior Eliyahu) ist Israels wichtigster Sportverein. Foto: AFP
Dunkings mit Symbolkraft. Maccabi (hier Nationalspieler Lior Eliyahu) ist Israels wichtigster Sportverein.Foto: AFP

Mexiko und Burkina Faso, Peru und Georgien: Wenn sich die Spieler in der Arena am Ostbahnhof am Donnerstagabend zum ersten Sprungball gegenüber stehen, wird die halbe Welt zusehen können. Die Basketball-Euroleague hat Alba Berlins Heimpartie gegen Maccabi Tel Aviv zum „Spiel der Woche“ erkoren – und das bedeutet, dass die Begegnung weltweit im Fernsehen in knapp 90 Staaten übertragen wird. In Deutschland zeigt Sport1+ ab 22.55 Uhr immerhin eine längere Aufzeichnung. Diese enorme Verbreitung hängt allerdings wohl eher mit der Strahlkraft des heutigen Gegners zusammen als mit den Berlinern. Immerhin empfängt Alba am Donnerstagabend um 20.45 Uhr einen der größten Namen in der Basketball-Welt.

Für die Gastgeber ist das Spiel in mehrfacher Hinsicht ein Höhepunkt. Die enorme Fernseh-Verbreitung ist „sehr wichtig für uns und unsere Partner“, sagt Geschäftsführer Marco Baldi, „ich glaube nicht, dass viele Mexikaner bisher mit Alba Berlin in Kontakt gekommen sind“. Baldi ist sich sicher, dass auch die Spieler wissen, welche Chance sich ihnen heute bietet: „Dieses Bewusstsein müssen wir nicht extra schüren.“ Insofern klingt es schon ein bisschen seltsam, wenn Albas Trainer Sasa Obradovic sagt: „Wenn wir verlieren, ist das keine große Tragödie.“

Natürlich will der Serbe gewinnen, die Partie gegen Maccabi ist aber alles andere als ein Pflichtsieg. Die Israelis haben die Euroleague fünf Mal gewonnen, nur Real Madrid (acht Titel), ZSKA Moskau und Panathinaikos Athen (je sechs) waren in der höchsten europäischen Spielklasse noch erfolgreicher. In der heimischen Liga hat Maccabi in den vergangenen Jahren ein wenig mehr Konkurrenz bekommen, trotzdem hat der Verein insgesamt 50 nationale Meisterschaften gewonnen und den Titel seit 1969 nur drei Mal verpasst. In der aktuellen Saison führt die Mannschaft von Trainer David Blatt die Euroleague-Gruppe B nach vier Spielen ungeschlagen an, die Berliner liegen nach zwei Niederlagen in Serie auf dem dritten Platz. Während das Erreichen der Zwischenrunde für Alba bereits ein Erfolg wäre, zählt für die Israelis nur der Titel.

Wichtiger als alle sportlichen Erfolge ist die gesellschaftliche Bedeutung, die Maccabi in Israel hat. Baldi bezeichnet den Verein als „Fahnenträger eines ganzen Landes“. Als Maccabi 1977 seinen ersten europäischen Titel gewann, wurde der Klub zum Symbol für die Einigkeit Israels. Besonders der Halbfinalerfolg gegen den sowjetischen Militärklub ZSKA Moskau wurde in ganz Israel gefeiert. Die Sowjetunion unterstützte damals Israels politische Gegner im Nahen Osten, ZSKA weigerte sich zudem, Maccabis Team einreisen zu lassen oder in Israel anzutreten.

Auf neutralem Boden in Belgien setzten sich die Israelis gegen die favorisierten Moskauer doch noch durch, der sportliche Sieg wurde als politischer Triumph empfunden. Auch heute werden Millionen Israelis vor dem Fernseher sitzen und die wichtigste Mannschaft ihres Landes anfeuern. Wer so großen Symbolwert hat, ist immer auch gefährdet: Besucher des heutigen Spiels sollten wegen strengerer Sicherheitskontrollen an den Arena-Eingängen mehr Zeit einplanen. Auch der Geheimdienst Mossad begleitet Israels Rekordmeister auf jeder Auswärtsfahrt.

Maccabi und Alba sind seit Jahren freundschaftlich verbunden, seit 2010 unterhalten die Klubs einen Jugendaustausch. Im Dezember wird Albas U-19-Team zum zweiten Mal nach Israel reisen, um mit Maccabis Jugendmannschaft zu trainieren, in Gastfamilien zu wohnen und Israel kennenzulernen. Albas Nachwuchsprofi Sebastian Fülle war vor zwei Jahren bei der Reise mit dabei, neben Besuchen an der Klagemauer, in der Gedenkstätte Yad Vashem oder am Toten Meer ist ihm auch die Popularität des Vereins im Gedächtnis geblieben. „Wir haben am Anfang der Reise ein Maccabi-Trikot geschenkt bekommen“, erinnert sich der 20-jährige Fülle. „Wenn wir damit in der Stadt unterwegs waren, wollten viele Leute Fotos mit uns machen.“

Ähnlich ehrfürchtig sollten sich Obradovics Spieler heute nicht verhalten. Immerhin schauen ein paar Menschen zwischen Mexiko und Georgien zu.

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