Wendell Alexis : Nummer 12 kehrt zurück

Wendell Alexis läuft zu Albas 20-jährigem Vereinsjubiläum noch einmal im Berliner Trikot auf - und dabei natürlich die Nummer 12 tragen.

Helen Ruwald
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Foto: dpadpa

BerlinNatürlich wird Wendell Alexis wieder die Nummer 12 überstreifen. Keiner wird ihm das Trikot streitig machen, das er zwischen 1996 und 2002 in 341 Spielen für Alba Berlin getragen hat. Auch Rashad Wright nicht, die derzeitige Nummer 12 beim Basketball-Bundesligisten. Wright wird am Sonnabend in der ausverkauften Sömmeringhalle nur Zuschauer sein, wenn der ehemalige Trainer Svetislav Pesic zum 20-jährigen Vereinsjubiläum seine Meistermannschaft von 1997 gegen Albas Nachwuchs-Bundesligateam aufs Feld schickt. Andere ehemalige Profis wie Matej Mamic, Ademola Okulaja und Stefano Garris werden auf der Tribüne sitzen und sich an alte Zeiten erinnern.

Der 45-jährige Alexis ist extra aus New York eingeflogen, er hat sein Lauftraining etwas verschärft, und „am Montag habe ich wieder einmal geworfen, ich hatte lange keinen Basketball mehr in der Hand“, erzählt er. Spektakuläre Aktionen der nicht mehr ganz so fitten Herren will er nicht versprechen, „man wird kein hohes Tempo sehen, aber Qualität“. Die Spielzeit wird auf viermal sechs Minuten verkürzt, damit ja keiner schlapp macht.

Neben Alexis, der sich bis auf ein paar graue Strähnen äußerlich nicht verändert hat, werden auch Sasa Obradovic, Stephen Arigbabu, Albas Sportdirektor Henning Harnisch und Nachwuchstrainer Henrik Rödl zeigen, was sie noch können. Albas Profis will der Klub kurz vor der Europaliga-Qualifikation keinem Verletzungsrisiko aussetzen, zudem soll eine Brücke zwischen Jung und Alt geschlagen werden, zwischen Vergangenheit und Zukunft.

Alexis verkörpert wie kein anderer Albas Erfolgsjahre, in sechs Jahren gewann er sechs Meistertitel, mit 5922 Punkten führt er immer noch die ewige Korbjägerliste der Berliner an. 2002 nahm er Abschied, zwei Jahre später beendete die Insolvenz des Mitteldeutschen BC, zu dem er gewechselt war, abrupt seine Karriere. Als nach seiner Rückkehr in die USA die Baskets Oldenburg bei ihm anfragten, hatte er bereits der Highschool seines Sohnes als Trainer zugesagt. Aus dem Bundesliga-Comeback wurde nichts. Doch das muss nicht so bleiben. „Ich habe die Absicht, Bundesliga-Trainer zu werden“, kündigt Alexis an. Bis zum Sommer war er Assistenztrainer der Austin Toros in der NBA DevelopmentLeague, davor am New Jersey Institute of Technology. „Ich habe mich als Trainer entwickelt“, sagt Alexis, „aber selber zu spielen ist viel einfacher.“

Derzeit ist Basketball nur ein Hobby von Alexis, der Albas Spiele gelegentlich im Internet verfolgt und staunt, wie viele seiner Landsleute in der Bundesliga ihr Geld verdienen. 1997 war er Albas einziger US-Amerikaner. In New York wird er künftig in einer Liga für ehemalige Profis und College-Spieler um die Meisterschaft kämpfen. Vorrang hat aber eine andere Aufgabe: Für ein Krankenhaus entwickelt Wendell Alexis Gesundheitsprogramme, „da geht es um Nichtrauchen und richtige Ernährung.“ Die Mitbringsel, die sich seine drei Söhne in Erinnerung an ihre Berliner Zeit wünschen, passen da freilich nicht dazu. Alexis soll Kinderschokolade mit nach New York bringen.

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