Sport : Wenger und die Altersvollzeit

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Friedhard Teuffel über ein neues Arbeitsmodell aus England

Dies ist ein höchst moralisches Angebot: Der Fußballklub Arsenal London möchte seinen Trainer Arsène Wenger auf Lebenszeit an sich binden. Vereinspräsident Peter HillWood sagt: „Er kann so lange bleiben, wie er will.“ Da bahnt sich kein gewöhnliches Arbeitsabkommen zwischen einem Verein und einem Fußballlehrer an. Es würde auch kein Rentenvertrag, sondern ein Lebensvertrag und damit ein Modell für ganz Europa. Wenger, Franzose, 50 Jahre alt und schon ergraut, könnte ein Vorbild für die alternde Gesellschaft werden.

Ausgerechnet die Briten versuchen nun, die Würde des Alters und die Würde des Trainers neu zu bestimmen, obwohl sie die soziale Frage bisher immer sehr knapp beantwortet haben. Außerdem hat doch gerade in Deutschland die Diskussion über die immer älter werdende Gesellschaft begonnen, angestoßen von Frank Schirrmacher, dessen Buch „Das Methusalem-Komplott“ in der Bestsellerliste des „Spiegels“ auf Platz eins steht. Schirrmacher wirbt dafür, die Angst vor dem Altern abzulegen und die Diskriminierung des Alters zu beenden.

Arsenal hat wohl keine Angst vor einem greisen Arsène Wenger. Es ist aber auch kein Zufall, dass gerade Wenger ein Angebot zur Altersvollzeit bekommt. Er ist mit Arsenal schon Englischer Meister geworden und wird es in dieser Saison wohl wieder. Der studierte Ökonom ist auch ein Freund des lebenslangen Lernens und würde sich jedes Jahr am liebsten drei Monate weiterbilden. Vor einigen Jahren hat er gesagt: „Ein Trainer kann nicht immer beim selben Team bleiben.“ Nimmt er Arsenals Angebot an, wäre das ein erstes Zeichen von Altersweisheit.

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