Sport : Wenig Geld, viele Punkte Freiburg hat eine Idee

und ist damit erfolgreich.

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Hannover - Das hohe Laufpensum, das Christian Streich vor lauter Eifer und Elan absolviert, ist nicht zu unterschätzen. Nach seinem Engagement zwischen Seitenlinie und der Bank, das der Trainer des SC Freiburg auch während des Auswärtsspiels bei Hannover 96 gezeigt hatte, reichte die Kraft noch zu einem letzten langen Sprint. Als der 2:1-Erfolg besiegelt war, rannte Streich quer über den Platz und schloss Oliver Baumann in seine Arme. Der Torhüter hatte die Schlussphase einer Partie unbeschadet überstanden, die bis zuletzt hart umkämpft war. Baumann musste deshalb als Kronzeuge für einen Freiburger Aufwärtstrend herhalten, den auch die sonst so heimstarken Hannoveraner nicht stoppen konnten.

Die begrenzten finanziellen Möglichkeiten, die dem SC Freiburg zur Verfügung stehen, machen ihn chronisch erfinderisch. Unter der Regie von Streich gelingt es auf bemerkenswerte Weise, sich dem Sog des Abstiegskampfes zu entziehen. Der Mangel an Geld bringt auch einen Mangel an Trubel mit sich. Still und heimlich studieren sie taktische Finessen ein, mit deren Hilfe die individuelle Überlegenheit der Konkurrenz ausgetrickst wird. „Ich bin stolz darauf, wie wir heute gespielt haben. Und das Schönste ist, dass wir solch ein Spiel dann auch noch gewinnen konnten“, sagte Streich als Mentor einer Mannschaft, der eben noch niemand etwas zugetraut hat und über die jetzt alle staunen. „Wir haben nicht damit gerechnet, dass uns die Freiburger so früh attackieren“, gestand Hannovers Trainer Mirko Slomka. Sein Team war nicht zur Entfaltung seiner gewohnten Klasse gekommen, weil der Gast aus dem Breisgau die richtigen Mittel fand.

Dabei bleiben nach dem überzeugenden Sieg in Hannover vor allem zwei Personalien hängen. Der wuchtige Daniel Caligiuri, offiziell als linker Mittelfeldspieler ins Rennen geschickt, liefert seit Wochen so virtuose Auftritte ab, dass hinterher stets unklar bleibt, ob er denn nun Stürmer oder Mittelfeldrenner ist. Mit einem umstrittenen Handspiel hatte er zwar das Elfmetertor durch Mohammed Abdellaoue zum 1:1 ermöglicht. Dennoch war Caligiuri der überragende Mann auf dem Platz. Dem 24-Jährigen wurde dabei von Jan Rosenthal assistiert, der in der 55. Minute den Siegtreffer für die Freiburger beisteuern konnte. „Das 2:1 hätte jeder von uns schießen können. Wichtig war: Es gehört ins Lehrbuch für Pressing“, sagte Rosenthal.

Den Gegner früh stören, ihm keinen Raum lassen und aus wenigen Chancen viel machen – was Hannover 96 in den vergangenen Jahren perfektioniert hat, kam jetzt als Bumerang zurück. Nicht zum ersten Mal in dieser Saison entzauberte der SC Freiburg einen Favoriten. 16 Punkte aus zwölf Bundesligaspielen, das Achtelfinale im Pokal ist auch erreicht – das sind Eckpunkte, von denen die stark abstiegsbedrohten Rivalen aus Fürth und Augsburg nur träumen können. „Wenn wir weiter so hart arbeiten, bin ich sehr zuversichtlich, dass wir den Klassenerhalt schaffen“, sagte Caligiuri. Christian Otto

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