Sport : Wenig meisterlich

Dortmund gewinnt 2:0 gegen Nürnberg, kann aber nicht an die Leistungen der Vorsaison anknüpfen

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Schwerer Stand. Die Dortmunder Angreifer um Shinji Kagawa konnten sich gegen Nürnberg zu selten durchsetzen. Foto: dpa
Schwerer Stand. Die Dortmunder Angreifer um Shinji Kagawa konnten sich gegen Nürnberg zu selten durchsetzen. Foto: dpaFoto: dpa

Eine Woche ist vergangen, seit die Dortmunder Fans beim Auswärtsspiel in Hoffenheim mit einer Hochfrequenzsirene ruhig gestellt werden sollten. Die Sache hatte in den vergangenen Tagen einigen Wirbel verursacht – und so ließen es sich die Anhänger des Deutschen Meisters nicht nehmen, beim Spiel gegen den 1. FC Nürnberg einige Grüße Richtung Hoffenheim zu schicken. „Mit oder ohne Störgeräusche, unsere Proteste bleiben ohrenbetäubend“, war auf einem Spruchband zu lesen. Und auf einem anderen: „Dietmar Hopp, Sohn einer Hupe.“

So kreativ wie die eigenen Fans präsentierte sich Borussia Dortmund in den folgenden 90 Minuten nur in Ansätzen. Die Gastgeber gewannen zwar vor 78 400 Zuschauern im heimischen Stadion mit 2:0 (0:0), blieben in spielerischer Hinsicht jedoch vor allem in der schwachen ersten Halbzeit einiges schuldig. In Meisterform präsentieren sich die Dortmunder Spieler von Trainer Jürgen Klopp derzeit noch nicht.

Dortmund versuchte frühzeitig, die aus der letzten Saison gewohnte Dominanz auszustrahlen, doch es fehlte die Präzision. Der BVB leistete sich ungewohnt viele leichte Fehler im Passspiel, zudem erwiesen sich die langen Bälle aus der Innenverteidigung als wenig probates Mittel. Allerdings wollte Dortmunds Trainer Jürgen Klopp die Unpässlichkeiten seiner Mannschaft lieber an der Stärke des Gegners als am eigenen Fehlverhalten festmachen: „Nürnberg hat nicht nur gut verteidigt, sondern auch stark nach vorn gespielt. Das war heute richtig, richtig harte Arbeit.“

Nürnberg hatte wenig Probleme, die eigene Defensive zu ordnen und den Ball aus der Gefahrenzone herauszuhalten. Sehr zum Gefallen des Torhüters Patrick Rakovsky, der den verletzten Raphael Schäfer vertrat. Der vom FC Schalke 04 gekommene 18-Jährige durfte sich bei seinem Erstliga-Debüt direkt vor der größten Stehplatztribüne der Welt beweisen. In der ersten Halbzeit war sein Arbeitstag weit weniger spektakulär als zu vermuten, lediglich in der 38. Minute musste Rakovsky bei einem Schuss von Lewandowski aus spitzem Winkel auf der Hut sein. Mehr Chancen gab es für die Borussia, bei der sich der genesene Nationalspieler Marcel Schmelzer auf der linken Außenbahn zurückmeldete, nicht zu notieren. Dafür hätten die Gäste durchaus in Führung gehen können. Sie waren die spielerisch reifere Mannschaft. Nürnberg machte nicht nur in der Abwehr einen äußerst gefestigten Eindruck und setzte bei Gelegenheit auch immer wieder Akzente nach vorn. Die Mannschaft von Trainer Dieter Hecking erkannte, dass die Dortmunder nicht unverwundbar waren und setzte immer wieder Nadelstiche. In der elften Minute zerschnitt Pinola die Dortmunder Deckung mit einem wunderbaren Diagonalpass, die Hereingabe von Chandler konnte Hummels so gerade vor dem einschussbereiten Eigler entschärfen. Bei der anschließenden Ecke strich der Kopfball von Wollscheid knapp über das Dortmunder Tor. Auch kurz vor dem Pausenpfiff war der BVB im Glück, als Hegeler auf und davon marschierte, Torhüter Roman Weidenfeller den Heber jedoch mit den Fingerspitzen ablenken konnte.

Ganz klar, Nürnberg war besser. Aber es stand 0:0, und das ließ den Platzherren alle Möglichkeiten. Gleich die erste nach dem Wiederanpfiff nutzten sie auf unnachahmliche Weise. Eine herrliche Kombination über Piszczek und Götze schloss Lewandowski ab und drosch den Ball zur Dortmunder Führung unter die Latte. Eine tolle Kombination hatte gereicht, um dem BVB eine schmeichelhafte Führung zu bescheren. „Normalerweise sind wir bekannt dafür, mehrere Chancen zu brauchen“, sagte Klopp. „Heute waren wir effizienter.“ Nürnbergs Trainer Dieter Hecking ärgerte sich dagegen „maßlos, dass wir hier nichts mitgenommen haben. Wir haben nicht nur in der ersten Halbzeit auf Augenhöhe agiert.“

Den Gastgebern konnten die Umstände egal sein, sie nahmen die Gunst des Schicksals gern an und spielten nun zielstrebiger nach vorn. Lewandowski hätte sein zweites Tor machen können, doch Rakovsky entschied das Duell Torhüter gegen Stürmer für sich. Wenig später flankte der eingewechselte Blaszczykowski auf den ebenfalls eingewechselten Perisic, dessen Kopfball an den Pfosten klatschte.

Zehn Minuten vor dem Abpfiff zog dann Kevin Großkreutz los. Sein Schuss wurde von Timm Klose unter die Latte abgefälscht, das Spiel war entschieden. Am Ende hatten sich die Dortmunder den Sieg aufgrund einer klaren Steigerung in der zweiten Halbzeit dann doch noch verdient.

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