Sport : Wenig Sicherheit, viele Lücken Schalke verliert nach Führung 1:2 in Bochum

Richard Leipold[Bochum]
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Azaouagh

Ein paar Tage vor dem Spiel in Bochum hatten Computer-Hacker eine Falschmeldung auf der Homepage des FC Schalke 04 platziert: Der Stürmer Kevin Kuranyi, um den sich ständig Gerüchte ranken, sei freigestellt und könne sich einen neuen Verein suchen. In Bochum hatte Kuranyi andere Sorgen als irgendwelche Spitzbuben, die mit ihm und seinem Klub ihr Spiel treiben. Der Angreifer schoss Schalke zwar in Führung – doch das nützte ihm und seinen Mitstreitern nichts. Auch in der Partie gegen Bochum taten sich bedenkliche Sicherheitslücken auf. Zwei davon nutzten die Torschützen Mimoun Azaouagh und Christoph Dabrowski zum Sieg für den VfL, der beim 2:1 (1:1) in diesem Derby drei unerwartete Punkte im Kampf gegen den Abstieg erkämpfte und vorerst auf den fünfzehnten Tabellenplatz vorrückte.

Der Gelsenkirchener Trainer Fred Rutten hatte eine offensive Formation gewählt. Hinter den drei Stürmern postierte er auf den Halbpositionen zwei offensive Mittelfeldspieler: Ivan Rakitic und den gelernten Angreifer Halil Altintop. Doch die offensive Aufstellung war lange Zeit nicht gleichbedeutend mit einer offensiven Einstellung. Das verwunderte besonders deshalb, weil Bochum drei Abwehrkräfte ersetzen musste, darunter die beiden Innenverteidiger Marcel Maltritz und Anthar Yahia, zwei Stützen der Mannschaft. Trotz der verhaltenen Spielweise ging Schalke aber in Führung. Nachdem VfL-Torhüter Daniel Fernandes einen Distanzschuss von Halil Altintop nur abgeklatscht hatte, schaltete Kuranyi am schnellsten und drückte den Ball über die Torlinie. Die Schalker Fans auf der Westseite des Stadions feierten den oft geschmähten Schützen lautstark. Sollte Kuranyi der Gewinner dieses Derbys werden? Er hatte seinem Trainer vor der Partie mitgeteilt, seine Kraft reiche wegen des Trainingsrückstands noch nicht für neunzig Minuten, er sei aber „wieder fit genug, um von Anfang an zu spielen”. Rutten nahm das Angebot des umstrittenen Stürmers an und ließ ihn, zum ersten Mal in der Rückrunde, von Anfang an spielen.

Auch mit dem Vorsprung im Rücken kickten die Schalker aber keineswegs, wie es die Aufstellung hätte vermuten lassen. Allmählich verloren sie die Kontrolle über das Geschehen. Die Bochumer Vorstöße führten zu einer Fülle von Ecken, zu Chancen für Epallé und Sestak – und kurz vor der Pause auch zum Ausgleichstreffer. Der frühere Gelsenkirchener Mimoun Azaouagh überwand den ein wenig ungünstig postierten Torwart Manuel Neuer mit einem wuchtigen Schuss aus zwanzig Metern. Ein Willensakt, der die Courage des Außenseiters trefflich illustrierte.

Nach der Pause kam es für den Favoriten noch schlimmer. Die Schalker wurden zwar stürmischer, mussten aber bei einem Gegenstoß des VfL den entscheidenden Treffer hinnehmen. Dabrowski nutzte einen Abpraller im Fünfmeterraum zum 2:1. Das Schalker Bemühen um den Ausgleich zeugte nicht gerade von Klasse. Die meiste Gefahr für das Bochumer Tor erzeugte Christian Pander, der mit einem Freistoß den Pfosten traf.

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