Sport : Weniger Festnahmen, mehr Verletzte

Jahresbericht zur Gewalt im Fußball vorgestellt

Duisburg - Der Besuch eines Fußballspiels in Deutschland war im vergangenen Jahr statistisch gesehen so gefährlich wie lange nicht mehr. Rund um die Spiele der Fußball-Bundesliga und der Zweiten Liga sind in der vergangenen Saison 846 Personen verletzt worden. Das ist der höchste Wert der letzten zwölf Jahre, wie aus dem Jahresbericht der Zentralen Informationsstelle Polizeieinsätze (Zis) hervorgeht. Zählt man die Dritte Liga hinzu, wurden sogar mehr als 1000 Fußballbesucher verletzt. Die Zahl der Festnahmen hingegen ist deutlich um 723 auf 6061 gefallen. In dem Bericht wurden 750 Fußballspiele mit insgesamt rund 17,4 Millionen Zuschauern erfasst.

„Die steigende Zahl der Verletzten ist etwas, was auch uns Sorgen bereitet“, sagte Michael Gabriel, Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte. „Ich gehe davon aus, dass die Ursache im zunehmenden Einsatz von Böllern liegt, die oftmals Knalltraumata auslösen können.“ Gabriel gab zu bedenken, dass auch Polizeieinsätze zu Verletzungen führen können und nannte als Beispiel das Drittliga-Spiel zwischen Rot-Weiß Erfurt und SV Darmstadt 98 aus der laufenden Saison: „Von den 55 Verletzten waren 52 auf den Einsatz von Pfefferspray zurückzuführen.“

Laut dem Bericht ist die Zahl der ausgesprochenen Stadionverbote im Vergleich zum Vorjahr leicht angestiegen. Auch die Gesamtzahl der gewaltbereiten Fans (Kategorie B und C) stieg nach Angaben der Zis um rund 10,5 Prozent auf fast 10 000. Rückläufig sind die Einsatzstunden der Polizei, insgesamt um rund 198 000 Stunden auf nun rund 1,56 Millionen.

Entwarnung gibt die Zis nicht. Eine hohe Polizeipräsenz sei weiterhin erforderlich, die Bundesliga unverändert am stärksten betroffen. „Eine Verlagerung in untere Spielklassen ist weiterhin nicht erkennbar“, teilt die Zis mit, eine „Trendwende“ sei in den ersten vier Spielklassen nicht zu beobachten. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) reagierte verhalten optimistisch: „Das Gesamtbild hat sich auch aufgrund des Engagements aller Beteiligten offensichtlich nicht wesentlich verändert“, teilte die DFL mit. Man freue sich besonders, dass die Einsatzstunden der Polizei um mehr als zehn Prozent reduziert werden konnten, werde aber zusammen mit dem Ligaverband „den eingeschlagenen Weg der Prävention und des Dialogs fortsetzen“. dapd/dpa

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