Sport : Weniger Geld, mehr Spannung

Die Formel 1 soll durch Reformen vor dem Zerfall gerettet werden

NAME

Berlin. Mohammad Al Khalifa sprach von einem historischen Moment, als in Bahrein der Grundstein für den Formel-1-Kurs gelegt wurde. Als Chef der Anlage in dem Königreich, das sich den Traum vom großen Motorsport 150 Millionen Euro kosten lässt, vertraute er darauf, dass ab 2004 die Stars der Szene darauf auch fahren werden. Für Formel-1-Chef Bernie Ecclestone ist dies nichts Neues, denn die Grand-Prix-Kandidaten stehen Schlange.

„Wir müssen viel mehr etwas unternehmen, damit die Sponsoren und die Zuschauer glücklich sind“, forderte er in der Londoner „Times“. Die am Sonntag in Suzuka endende Saison der Königsklasse des Motorsports, die von vielen Medien inzwischen als „Formel Langeweile“ bezeichnet wird, hat den Briten beunruhigt. Max Mosley, Präsident des Internationalen Automobil-Verbandes FIA, pflichtete Ecclestone bei. „Wir müssen die Show verbessern und die Kosten reduzieren, damit die Teams und der Sport überleben können“, sagte er. Nicht mehr von bis zu drei Milliarden Dollar darf zukünftig ausgegangen werden, sondern von 500 Millionen. Mit einem Fünf-Punkte- Programm soll das erreicht werden: Abbau einiger elektronischer Hilfen, Verringerung aerodynamischer Faktoren, Reduzierung auf einen Reifenhersteller, Veränderung des Trainings und gleiche Rechte für alle beim Testen. Ecclestone und Mosley schlagen sogar vor, entgegen der Tradition, die WM-Führenden mit Zusatzgewichten zu bremsen. Als „abstrus“ bezeichnet Schumachers Manager Willi Weber diese Idee.

In den vergangenen Jahren hatte es noch nahezu perfekt geklappt, dass die WM-Entscheidung erst zu Saisonende fiel und die Formel 1 bis dahin Millionen Menschen faszinierte. 2002 war die Spannung nach dem elften von 17 Rennen in Magny-Cours weg. Was dann folgte, nachdem Michael Schumacher seinen fünften WM-Titel gewonnen hatte und die Ferrari-Dominanz erdrückend wurde, hatte mit einer Motor-Show nichts mehr zu tun. Schumacher trieb mit der Konkurrenz ein Spiel, das die Formel 1 in Verruf brachte. So kritisierte Ecclestone das Verhalten von Schumacher nach dem Großen Preis der USA in Indianapolis, als der Ferrari-Star sich auf der Ziellinie noch von seinem Teamkollegen Rubens Barrichello überholen ließ.

Auf einem neuen Formel-1-Kurs wie dem in Bahrein würde nichts anderes passieren, wenn sich Ecclestone und Mosley mit ihren Vorschlägen nicht durchsetzen. Allein Aktionismus, den es in der Vergangenheit in ähnlichen Situationen nicht selten gab, kann sich die Formel 1 diesmal nicht mehr leisten. 2004 ist es zu spät. Hartmut Moheit

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben