Sport : Wenn alle bleiben, kann einer gehen

Stefan Hermanns

Der FC Bayern München ist ein Verein, der seine Triumphe gerne ausgiebig feiert. Gestern zum Beispiel hat er seinen Spieler Willy Sagnol der Presse vorgesetzt, damit der Franzose noch einmal verkünden konnte, was ohnehin seit längerem bekannt ist: dass er seinen Vertrag bei den Bayern um vier Jahre verlängert hat und seine Karriere in München beenden will. In Wirklichkeit ging es den Bayern aber vor allem darum, ihren Sieg über den vermeintlich übermächtigen Rivalen Juventus Turin noch einmal richtig auszukosten. Als die Italiener Sagnol bereits als einen der ihren wähnten, demonstrierte Bayerns Manager Uli Hoeneß erfolgreich, dass auch er am großen Rad drehen kann.

Die Bayern brauchen solche kleinen Siege gegen die europäische Konkurrenz im Moment mehr denn je, weil einiges darauf hindeutet, dass ihnen in Kürze eine große Niederlage bevorsteht. Jedenfalls sollte der Abschluss mit Sagnol nicht zu der Ansicht verleiten, dass den Bayern Ähnliches auch mit Michael Ballack gelingen wird. Im Gegenteil. Sagnols Weiterbeschäftigung ist – wie die von Lucio, Deisler und Hargreaves – wohl eher als vorweggenommene Kompensation für den zu erwartenden Weggang Ballacks zu verstehen. Anders als von den Bayern suggeriert geht es bei dessen Entscheidung weniger um einen besser dotierten Vertrag als um die konsequente Fortschreibung seiner Biographie; um die Frage nämlich, ob und wie die Linie Chemnitz, Kaiserslautern, Leverkusen, München sinnvoll weitergeführt werden kann. Auch wenn Uli Hoeneß das anders sehen mag: Ein paar Möglichkeiten gäbe es da schon noch.

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