• „Wenn, dann möchte ich auch die Wahrheit sagen“ Eugen Strigel über die Absetzung seiner Referee-Analyse im ZDF

Sport : „Wenn, dann möchte ich auch die Wahrheit sagen“ Eugen Strigel über die Absetzung seiner Referee-Analyse im ZDF

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Sie haben in der vergangenen Saison im ZDF-Sportstudio die Leistungen der Bundesliga-Schiedsrichter eingestuft. Nun fand der erste Spieltag auf einmal ohne Ihren Kommentar statt. Hat Ihnen der Deutsche Fußball-Bund einen Maulkorb erteilt, weil Sie zu kritisch waren?

Ich sehe das nicht so. Das ZDF ist erst in der vorigen Woche an mich herangetreten, allerdings war ich bis gestern bei einem europäischen Schiedsrichter-Lehrgang in Jugoslawien. Ich kann diese Anfrage nicht alleine entscheiden. Als Schiedsrichterlehrwart bin ich Teil des DFB, und der will bei so einer Frage mitreden.

Aber der DFB hat sich auch noch nicht entschieden?

Ich bin nicht informiert, ob das ZDF mit dem DFB schon gesprochen hat. Soweit ich weiß, ist das Sportstudio aber an die Pressestelle herangetreten. Bis gestern Mittag hat man mich aber auch nicht erreicht.

Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder hat sich für den Versuch in der vorigen Saison stark gemacht, ist er nun auch der Bremser des Projekts?

Der Präsident hat mir schon vor der Saison ausrichten lassen, dass er bei einer eventuellen Anfrage, ob es weitergeht, mit einbezogen werden möchte. Die Analyse war ohnehin nur für eine Saison ausgelegt. Im Dezember wurde schon einmal geprüft und der DFB hat gesagt, man will das bis zum Saisonende durchziehen.

Bisher hat Mayer-Vorfelder sein Okay für diese Saison aber noch nicht geben. Waren ihm Ihre Beurteilungen zu kritisch?

Uns war von Anfang an bewusst, dass das eine Gratwanderung ist. Auf der einen Seite habe ich als Lehrwart für die Schiedsrichter eine Fürsorgepflicht. Auf der anderen Seite war klar, dass dabei Fehler sichtbar werden.

Waren Sie denn in den Augen der Schiedsrichter zu kritisch?

Ich persönlich denke das nicht. Mir gegenüber hat keiner etwas Negatives geäußert. Ob jemand etwas dem DFB oder dem Präsidenten gesagt hat, weiß ich nicht. Dem einen oder anderen Schiedsrichter habe ich aber eher etwas geholfen. Einige Fehlentscheidungen konnte ich richtigstellen.

Also eher unkritisch …

Nein, man muss die Fehler ehrlich zeigen, sonst hat das keinen Wert. Ich halte es für besser, wenn die Entscheidungen von einem Fachmann beurteilt werden, als zum Beispiel von einem Journalisten, der noch andere Aufgaben hat, und auch von einem ehemaligen Schiedsrichter. Ich denke, ich bin als Lehrwart des DFB regeltechnisch aktuell informiert.

Wie ist denn Ihre Regelkunde angekommen?

Für den Zuschauer war das schon lehrreich. Beim Eishockey bin ich ja auch froh, wenn ich von einem kompetenten Fachmann erklärt bekomme, warum ein Spieler für zwei Minuten auf die Strafbank muss.

Für einige Schiedsrichter wohl auch lehrreich, vielleicht sogar zu lehrreich …

Wenn ich so was sage, dann möchte ich auch die Wahrheit sagen. Sonst bin ich für so eine Aufgabe auch nicht zu gewinnen.

Und werden Sie weiterhin an gewohnter Stelle im Sportstudio die Wahrheit sagen?

Das ist für den 2. Spieltag noch fraglich, aber es soll in dieser Woche ein Gespräch geben.

Das Gespräch führte Ingo Wolff

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