Sport : Wenn das Geld nicht reicht

Heute kehrt Volleyball-Nationalspieler Björn Andrae zum SCC zurück – als Gegner im Europapokal

Karsten Doneck

Berlin - Die Gespräche liefen nicht schlecht. Björn Andrae schien interessiert an dem Angebot des Volleyball-Bundesligisten SC Charlottenburg. Dieser Klub hatte ihn schließlich ausgebildet und damit die Basis gelegt für das, was Andrae heutzutage ist: Deutschlands bester Außenangreifer. Doch unvermeidlich kam bei den Verhandlungen auch das Thema Geld auf den Tisch. Was denn so seine Gehaltsvorstellungen seien, wurde Andrae gefragt. Klare Frage, klare Antwort: Der 26-Jährige soll ohne große Umschweife 150 000 Euro gefordert haben – und zwar netto. „Utopisch für uns“, fand SCC-Geschäftsführer Günter Trotz die Summe. Der Transfer scheiterte.

Es gibt Vereine, bei denen das Scheckbuch weitaus lockerer sitzt. Zum Beispiel in Polen. Bei AZS Olsztyn hat Björn Andrae seine neue Volleyball-Heimat gefunden. Und mit dem aktuellen Tabellendritten der ersten polnischen Liga kehrt der 2,00 Meter große Angreifer nun zumindest mal kurz nach Berlin zurück. Heute (19 Uhr, Sömmeringhalle) bestreitet er mit seiner Mannschaft das Hinspiel im Achtelfinale des Challenge-Cups gegen seinen alten Klub, den SCC. Die Polen gelten als haushoher Favorit.

Diese Rollenverteilung leitet sich schon aus den Etats beider Klubs ab. Der SCC kalkuliert in dieser Saison mit rund 850 000 Euro, der Kontrahent aus Polen kann dagegen auf rund drei bis vier Millionen Euro zurückgreifen. 19 Spieler stehen im Aufgebot von AZS Olsztyn, der SCC ist schon heilfroh, wenn sein Zwölfer-Kader mal komplett ist, damit im Training wenigstens Sechs gegen Sechs spielen können.

Auch der Challenge-Cup ist für den SC Charlottenburg ein Zuschussgeschäft - trotz der erwarteten 2000 Zuschauer heute Abend. „Ohne die Hilfe der Senatsverwaltung könnten wir im Europapokal gar nicht antreten“, sagt Trotz. So verursacht das Heimspiel gegen Olsztyn Kosten zwischen 11 000 und 12 000 Euro. „Ein Drittel davon übernimmt der Senat“, sagt Trotz.

Die Verpflichtung eines Björn Andrae – die müsste der SCC aber aus eigener Kraft stemmen. Ganz aufgegeben haben die Charlottenburger die Hoffnung nicht, den Kapitän der deutschen Nationalmannschaft mal wieder in den eigenen Reihen zu sehen. Günter Trotz weiß auch, wie das klappen könnte. „Vielleicht finden wir ja mal einen großen Sponsor, der ihn für uns finanziert“, sagt er. Dieses Modell existierte übrigens schon mal. Als Andrae noch in der Jugend beim SCC spielte, erklärte sich ein kleines Berliner Unternehmen bereit, ihm alle Aufwendungen für ein Jahr zu erstatten. Die Summe damals: 2000 D-Mark. So ändern sich die Zeiten. Karsten Doneck

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