Sport : Wenn das Gesetz der Branche nicht mehr gilt

Andre Görke

Als Detlef Kaminski das branchenübliche Codewort in den Mund nahm, war die Sache klar. "Personelle Konsequenzen" werde es geben, verkündete der Präsident des Fußballzweitligisten Babelsberg 03. In der Bundesliga meinen sie damit eine Trainerentlassung. Die Potsdamer hatten aus den vergangenen neun Spielen zwei Punkte geholt. Wen entlässt man schon, wenn nicht den Trainer? "Wir müssen reagieren", sagte Kaminski nun am Dienstagvormittag. "Der Tabellenplatz ist nicht entscheidend, auch nicht unsere Punktzahl. Es ist die Entwicklung der Mannschaft." Babelsbergs Trainer Hermann Andreew, der neben ihm saß, war kreidebleich. Kaminski sprach weiter: "Ich bedauere, diese Mitteilung machen zu müssen." Klare Sache, Andreew ist entlassen. Kaminski sagte: "Wir haben Ingo Nachtigall beurlaubt."

Ingo Nachtigall? Babelsberg hat seinen Kotrainer entlassen? "Wir müssen doch nicht dem Gesetz der Bundesliga folgen und den Cheftrainer entlassen," sagte Kaminski. "Wir sind der Meinung, dass Hermann Andreew der Mannschaft mit seiner Kompetenz noch viel geben kann. Unsere sportliche Situation hat die Beurlaubung Nachtigalls notwenig gemacht." Der 40-jährige Kotrainer soll im Amateurbereich des Vereins arbeiten. "Ab jetzt gibt es nur noch einen Chef" sagt Kaminski. Wieso nur noch einen Chef? "Das dürfen Sie interpretieren."

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Ingo Nachtigall war also der zweite Chef. Obwohl das sein Amt als Kotrainer verbietet. Der 40-Jährige war Andreew gegenüber keineswegs illoyal, er kritisierte die Mannschaft in der Öffentlichkeit jedoch eine Spur zu deutlich. Für die Kabine gedachte Kritik sei nach außen gedrungen, die Hierarchie durcheinander geraten. "Die Zeit war gekommen, dass wir getrennte Wege gehen", sagte Andreew. "Ich treffe jetzt die Entscheidung." Deutlicher hätte er sich nicht ausdrücken können. Seine Position wird durch die Entscheidung des Vorstands weiter gestärkt. Andreew steht nicht zur Debatte.

Das Ganze hat nur einen Haken. Nachtigall war als einziger Babelsberger im Besitz der A-Lizenz, die vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) für Trainer von Lizenzmannschaften verlangt wird. Andreews russische Lizenz erkennt der DFB nicht an. "Wir haben Andreew bei einem Lehrgang angemeldet", sagte Präsident Kaminski. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat Babelsberg eine Ausnahmegenehmigung erteilt, verkündete DFL-Sprecher Tom Bender. Der Klub müsse die Vorgabe der Liga aber schnellstmöglich erfüllen. Genau das hat Babelsberg vor, allerdings nicht hundertprozentig im Sinne der DFL. Noch am Dienstag hat Kaminski angekündigt, einen neuen Kotrainer zu präsentieren.

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