Sport : Wenn das Rad klemmt

Ein verpatzter Boxenstopp kostet Sebastian Vettel in Silverstone den Sieg – den fährt Fernando Alonso ein

Karin Sturm[Silverstone]
Zärtlichkeiten auf Kunststoff. Sebastian Vettel (l.) gratuliert Fernando Alonso auf seine Art. Foto: dpa
Zärtlichkeiten auf Kunststoff. Sebastian Vettel (l.) gratuliert Fernando Alonso auf seine Art. Foto: dpaFoto: dpa

Als vor dem Start zum britischen Grand Prix in Silverstone Prinz Harry Sebastian Vettel in der Box besuchte, hoffte der Weltmeister noch, später aus königlicher Hand den Siegerpokal entgegen nehmen zu können. Das klappte zwar nicht ganz. Doch immerhin stand Vettel als Zweiter zum neunten Mal im neunten Rennen auf dem Podium und baute seinen Vorsprung in der WM auf 80 Punkte aus – auf seinen Teamkollegen Mark Webber, nicht auf den überlegenen Sieger Fernando Alonso, der noch weitere 12 Zähler dahinter liegt.

Ob Alonsos Sieg am runderneuerten Ferrari lag? Der Spanier siegte jedenfalls zum ersten Mal in diesem Jahr, er ließ Vettel und Webber in den beiden Red Bull keine Chance. Am Anfang auf der noch nassen Strecke sah es wieder nach einem Triumph des amtierenden Weltmeisters aus. Vettel, der wegen eines kleinen Schaltfehlers im Qualifying die Pole Position um vier Hundertstel an seinen Teamkollegen Webber verloren hatte, setzte sich gleich am Start gegen den Australier durch. Eine Sekunde pro Runde fuhr er in der Anfangsphase an Vorsprung heraus, schien das Rennen souverän zu kontrollieren, doch dann verdarb ihm ein völlig verpatzter Boxenstopp in der 27. Runde die Siegchancen. Links hinten klemmte das Rad, der Stopp dauerte ein paar Sekunden zu lang – und Alonso und zunächst auch Lewis Hamilton zogen vorbei. „Ich weiß nicht, ob ich ihn sonst hätte irgendwie hinter mir halten können“, sagte Vettel, völlig entspannt, „es wäre aber ohne den Fehler, der völlig menschlich ist, sicher ein anderes Rennen geworden. Aber Ferrari hat uns heute einfach geschlagen.“

In den letzten Runden kam Webber noch knapp an Vettel heran, der keine Chancen mehr sah, Alonso noch anzugreifen, „nachdem ich ja hinter Hamilton viel Zeit verloren habe. Außerdem wollte ich Reifen sparen, für den Fall, dass es doch noch mal eine Safety-Car-Phase geben würde.“ Doch Teamkollege Webber sah das anders, ritt noch einmal eine volle Attacke gegen Vettel, obwohl ihn Teamchef Christian Horner wohl schon ein paar Mal über Funk aufgefordert hatte, dies zu lassen. Vettel verteidigte sich, Webber kam nicht vorbei, und ehe er dann in in der letzten Runde noch einmal zu einem Gewaltakt ansetzen konnte, griff Horner energisch ein: „Position halten.“

Der Australier drohte: „Das kann Einfluss auf meine Vertragsentscheidung haben.“ Vettel musste sich die Frage gefallen lassen, ob er sich nicht schäme, „so eine Stallorder“ zu brauchen. Der konterte: „Wir sind gegeneinander gefahren, aber es gab doch keinen Grund für das Team, irgendwelche Dummheiten zuzulassen.“ Vettel versuchte, es gelassen zu sehen: „Wenn irgendwelche Leute meinen, da jetzt wieder ein Riesendrama draus machen müssen, dann sollen sie doch. Für mich ist es das Wichtigste, dass ich heute Abend in den Spiegel schauen kann.“

Mercedes holte mit Nico Rosberg und Michael Schumacher als Sechstem und Neunten immerhin wieder einige Punkte. Schumacher rutschte in der neunten Runde in den Sauber von Kamui Kobayashi, drehte den Japaner um und fuhr sich dabei selbst den Frontflügel ab – nicht zum ersten Mal in diesem Jahr. Er kassierte dann von der Rennleitung auch noch eine Zehn-Sekunden-Strafe für das Verursachen einer Kollision, fuhr aber trotzdem noch auf den neunten Rang nach vorne. „Bedenkt man, dass wir nach Runde eins Zehnter und Dreizehnter waren, dann ist das ein respektables Resultat“, sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug.

Nick Heidfeld freute sich, nach verpatztem Qualifying von Startplatz 16 noch auf Rang acht gefahren zu sein. „Das war heute ein wirklich gutes Rennen, es hat Spaß gemacht.“ Und dann sprach er den Punkt an, der im Moment alle in der Formel 1 am meisten beschäftigt: „Jetzt müssen wir mal sehen, wie es weiter geht, nach welchen Regeln wir fahren.“

Gemeint war die Debatte über das Zwischengas-System. In Silverstone gab es dazu eine späte Einigung: Das Zwischengas darf eingeschränkt wieder genutzt werden, die Motoreneinstellungen dürfen indes zwischen Qualifying und Rennen nicht mehr geändert werden – jene Regelung also, die für den Grand Prix in Valencia gegolten hatte.

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