Sport : Wenn der Arzt foult

Bei den Basketballern von Alba Berlin helfen alle mit, um Athen zu schlagen und die Krise abzuwenden

Benedikt Voigt

Berlin. Die Verwirrung auf der Ersatzbank von Alba Berlin war groß. Ein Trainer, Ersatzspieler oder Betreuer hatte im dritten Viertel den Schiedsrichter beleidigt, dafür ein Technisches Foul bekommen und AEK Athen im Europaligaspiel zwei wichtige Freiwürfe geschenkt. Nur, wer ist es gewesen? Trainer Emir Mutapcic nicht, er hatte zwar nach einem Pfiff gegen Alba spöttisch einen Daumen in die Höhe gestreckt, doch die Unparteiischen bestraften ihn nicht dafür. Michael Trepte bat einen der drei Schiedsrichter um Aufklärung. „Er hob drei Finger und zeigte auf das Ende der Bank“, berichtet Albas Physiotherapeut. Der dritte Mann von hinten, sollte das bedeuten. Trepte zählte nach. Eins, das war der Langzeitverletzte Jörg Lütcke, zwei, das war er selber, und drei – war Gerd-Ulrich Schmidt, der Arzt.

Sogar der Teamarzt spielte mit beim 80:76 (34:38)-Sieg von Alba Berlin über AEK Athen. Trainer Emir Mutapcic fand Gerd-Ulrich Schmidts beleidigende Geste gegenüber den Schiedsrichtern zwar nicht so lustig. „Das war ein großer Fehler unserer Bank“, sagte der Trainer. Doch die spontane Reaktion des Arztes auf einen umstrittenen Pfiff spricht für den Einsatz, mit dem jedes Mitglied von Alba Berlin in diesem wichtigen Europaligaspiel zu Werke ging. „Ich bin mit jedem Spieler zufrieden“, sagte Mutapcic, „auch wenn Henrik Rödl und John Celestand heute besonders gut gespielt haben.“ Rödl erzielte 13 Punkte, Aufbauspieler Celestand kam auf 21.

Albas intensivere Verteidigung in der zweiten Halbzeit hatte das Spiel entschieden. Allerdings profitierten die Berliner auch davon, dass der Tabellenletzte der Gruppe A nicht mehr mit letzter Entschlossenheit zu Werke ging. „Es ist schwer, noch Motive zu finden, um die Runde zu Ende zu spielen“, sagte Athens Trainer Dragan Sakota. Die Griechen hatten schon vor dem Spiel keine Chance mehr, sich noch für die Zwischenrunde der Europaliga zu qualifizieren.

Ganz anders Alba Berlin. „Die Tür steht wieder offen“, sagte Quadre Lollis, der mit 17 Punkten und 15 Rebounds wieder eine starke Leistung zeigte. Nun kommt es am 30. Januar bei Cibona Zagreb zu einem kleinen Endspiel um den fünften Platz in der Gruppe A. Der Sieger aus dieser Partie hat gute Chancen, sich für die Zwischenrunde zu qualifizieren. Der Siebtplatzierte Pau, der bereits zweimal gegen Zagreb verloren hat, müsste alle ausstehenden drei Spiele gewinnen, um ebenfalls noch geringe Möglichkeiten auf ein Weiterkommen zu besitzen.

Der Sieg über Athen hat für Alba noch eine andere Bedeutung. Nach acht Niederlagen in neun Spielen drohte die Saison gänzlich ins Negative zu kippen. „Um ehrlich zu sein, die Stimmung war in letzter Zeit beschissen“, sagte Quadre Lollis, „jetzt fühle ich mich gleich viel besser. Der US-Amerikaner nahm sich die Niederlagenserie ebenso zu Herzen wie sein Landsmann John Celestand. „Ich bin es nicht gewohnt zu verlieren, ich konnte überhaupt nicht mehr schlafen“, sagte der Texaner. Umso besser dürfte er die Nacht zum Freitag überstanden haben. Immerhin hatte Celestand bei einer Wurfquote von 89 Prozent die meisten Punkte für Alba erzielt. Auch entschied er in der letzten Minute mit vier Punkten die Partie.

John Celestand war erst Anfang Dezember als Ersatzmann für den verletzten Aufbauspieler DeJuan Collins zur Mannschaft gestoßen. Gegen Athen profitierte er davon, dass er von Beginn an spielen durfte, weil Mutapcic seinen angeschlagenen Aufbauspieler Mithat Demirel zunächst schonte. „Natürlich hilft es, wenn man in der ersten Fünf steht“, erklärte Celestand. Inzwischen ist die Integration des 25-Jährigen vorangeschritten. Was beiden Seiten hilft.

Celestands Kurzvertrag läuft Ende Februar aus. Dann muss sich Alba zwischen DeJuan Collins, der ab nächster Woche wieder trainieren kann, und Celestand entscheiden. Vor Donnerstagabend sprach nicht viel für den Neuen. Nun verbesserte er seine Verhandlungsposition erheblich, „Ich möchte nicht im März wieder zu Hause sitzen und nichts tun“, sagte Celestand. Will er das verhindern, sollte er seine ansteigende Form am Sonntag (15 Uhr, Max-Schmeling-Halle) im Bundesligaspiel gegen Würzburg bestätigen.

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