Sport : Wenn der Arzt kommt Contador wehrt sich,

Evans neuer Tourfavorit

Tom Mustroph[L’ Alpe d’ Huez]
Foto: AFP
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Zumindest mit diesem Arzt wollte Alberto Contador nichts zu tun haben. Auf dem Anstieg nach L’ Alpe d’ Huez lief ein mit einem grünen Arztkittel verkleideter Fan dem dopingverdächtigen Radprofi hinterher und versuchte mit einem Stethoskop, den Spanier einer spontanen Untersuchung zu unterziehen. Alberto Contador aber fand diese Anspielung auf mögliches Doping nicht so lustig und antwortete mit einem Faustschlag. Nicht nur deshalb geriet die 19. Etappe der Tour de France zu jenem Abschnitt, auf dem Alberto Contador sich wehrte.

Der Spanier, der am Vortag mehrere Minuten auf die Führenden verloren hatte, attackierte auf der letzten Bergetappe auch sportlich zweimal, wurde aber nicht belohnt dafür. Den Tagessieg holte sich der Franzose Pierre Rolland, Contador wurde Dritter und liegt vor dem heutigen Zeitfahren 3:55 Minuten hinter dem neuen Träger des Gelben Trikots, Andy Schleck. „Meine Motivation ist super, ich bin in Top-Form“, sagte der Luxemburger, „ich hoffe, dass ich das Gelbe Trikot auch in Paris tragen kann.“ Doch das dürfte schwer werden, Andy Schleck gilt als mäßiger Zeitfahrer. Ganz anders der Australier Cadel Evans, der nur 55 Sekunden hinter ihm liegt und nun der große Favorit auf den Toursieg ist. „Ich weiß nicht, ob ich heute die Tour gewonnen habe“, sagte der Zeitfahr-Experte Evans, „ich werde in Grenoble versuchen, so schnell wie möglich zu fahren. Ich hoffe, es reicht.“

Nicht nur wegen der ereignisreichen Etappe nach Alpe d’ Huez wirkte Christian Prudhomme zufrieden. Der dunkelblonde Tourboss bestieg schon vor dem Start der 19. Etappe das Podium und sagte: „Das war eine super Tour de France dieses Jahr. Das gefällt mir bislang außerordentlich.“ Vor allem die Franzosen sind in diesem Jahr erfreut. Auch, weil in Thomas Voeckler bis zum Freitag ein Landsmann unter den Favoriten mitgemischt hatte. Quoten mit 7,7 Millionen Zuschauern konnte France Télévision seit sechs Jahren nicht mehr verbuchen. Ein Marktanteil von teilweise 60 Prozent macht das Rennen wieder zum nationalen Monument. Das hat sicher auch damit zu tun, dass es bislang nur einen einzigen Dopingfall bei der Tour gab, den auch in der B-Probe bestätigten Nachweis des Urinprobenverdünners HCT beim Katusha-Profi Alexandr Kolobnew. Ein Hinweis auf eine neue Sauberkeit des Radsportes? Vielleicht. Womöglich funktioniert auch nur das Dopingkontrollprogramm nicht sonderlich gut.

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