Sport : Wenn der Beste auch der Sieger sein darf (Kommentar)

Hartmut Moheit

Schon eine Sekunde steht in der Formel 1 für Welten. 20 gar sind ein Vorsprung, der unter normalen Umständen nicht aufzuholen ist. Manchmal geschehen jedoch wundersame Dinge. "Stehversuche", bei Radsprintern ein taktisches Mittel, gehören seit geraumer Zeit auch zum Repertoire des Motorsports. Da wird der Boxenfunk zwischen Teamchefs und Fahrern schon mal zum Befehlssignal. Die Nummer eins im Team bekommt Vorfahrt. Wie 1999, als bei Ferrari der Nordire Eddie Irvine lange den Domestiken für Michael Schumacher spielte und bei McLaren-Mercedes der Schotte David Coulthard dem Finnen Mika Häkkinen zum zweiten WM-Titel verhalf. Warum sollte es in dieser Saison anders ablaufen?

Beteuerungen wie die von Schumachers neuem Kollegen Barrichello, er wolle seine eigene Chance suchen, sind ebensowenig ein Gegenbeweis wie die offizielle Verlautbarung, Häkkinen und Coulthard seien gleichberechtigt. Allein das Verhalten auf der Rennstrecke zählt. Das hat McLaren-Mercedes in Silverstone eindrucksvoll demonstriert. 20 Runden vor dem Ziel führte Coulthard mit rund 20 Sekunden vor Häkkinen, verlor aber dann pro Umkreisung mehr als eine davon. Doch es kam nicht dazu, was alle erwarteten, befürchteten und nicht akzeptiert hätten: Coulthard musste sich nicht überholen lassen. Es ging darum, zwei Silberpfeile auf dem Podest zu präsentieren. Ein gemeinsames Siegerfoto als Demonstration zurückgewonnener Stärke.

Dieses Ziel wurde doppelt erreicht: Es gab nicht nur den ersten Erfolg des neuen Jahres, sondern viel positives Image. Warum sollte diese Regie nicht auch für ein Saisonfinale gelten können?

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