Sport : Wenn der Druck zu hoch wird

Warum der Sohn des Nationaltrainers von Serbien und Montenegro auf die WM-Teilnahme verzichtet

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Die Dramatik und Anspannung der vergangenen Stunden waren Dusan Petkovic nicht anzumerken. Der 31-Jährige plauderte am Dienstagabend in der Sportsendung des staatlichen Fernsehsenders „RTF“ minutenlang über seinen Verzicht auf die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland. Petkovic trug dabei Jeans und Turnschuhe, er hätte ohnehin keine Zeit gehabt, sich umzuziehen. Nur wenige Stunden zuvor hatte der Verteidiger seiner Mannschaft im Bus vor der Abreise aus dem Trainingslager in Velden zum Flughafen nach Klagenfurt erklärt, dass er nicht mitfliegen wird. Die Mannschaft versuchte daraufhin, den Verteidiger umzustimmen. Ohne Erfolg.

„Ich habe diesen Entschluss bereits vor drei Tagen nach reiflicher Überlegung gefasst. Die Zeitungsberichte haben mich erst überrascht und dann sehr enttäuscht. Das war eine richtige Kampagne gegen den Teamchef und mich“, sagt Petkovic in der Sportsendung. Erst vor einer Woche war er von seinem Vater, dem Nationaltrainer Ilija Petkovic, nachnominiert worden, weil sich der Stürmer Mirko Vucinic verletzt hatte. Ein Großteil der Zeitungen und Fernsehsender in Serbien und Montenegro hatte die Berufung kritisch aufgenommen, die Rede war von „Vetternwirtschaft“ und einem „Skandal“. Teile der Medien forderten einen Stürmer, unter anderem Marko Pantelic vom Bundesligisten Hertha BSC, zudem wurde die sportliche Qualität des Abwehrspielers in Frage gestellt, der in der abgelaufenen Saison für OFK Belgrad spielte. Petkovic stand auch schon in Nürnberg und Wolfsburg unter Vertrag.

Mit seiner Entscheidung, nicht bei der Weltmeisterschaft zu spielen, habe Dusan Petkovic nach eigener Aussage versucht, „den Druck von mir und der Mannschaft zu nehmen“. Sein Vater darf allerdings keinen Spieler nachnominieren, weil Dusan Petkovic nicht verletzt ist. Serbien und Montenegro wird wohl mit einem Kader von nur 22 Spielern antreten. Belgrads Boulevardzeitung „Press“ wirft Dusan Petkovic nun vor, die Entscheidung „zu spät“ getroffen zu haben, das sei dilettantisch. Die Zeitung vermutet, dass Petkovic nicht mit nach Deutschland gereist sei, weil er sich mit seinem Vater zerstritten hätte. „Mir wurde auch vorgeworfen, dass ich nicht nach Deutschland einreisen dürfe, weil ich Steuern hinterzogen habe. Das ist alles Irrsinn“, sagt Petkovic dazu.

Der Präsident des Fußball-Verbandes, Tomislav Karadzic, hofft auf eine baldige Beruhigung der Angelegenheit: „Diese Geschichte ist überbewertet worden.“

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