Sport : Wenn der Kapitän nur zuschaut

Kein Mattuschka, keine Punkte – trotzdem verteidigt Unions Trainer Neuhaus seine Taktik von München

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Turnschuhe, blaue Jeans, lila T-Shirt: Locker wie immer ging Torsten Mattuschka auf die wartenden Journalisten zu. Der Spielführer des Fußball-Zweitligisten 1. FC Union Berlin ist bekannt für seine offenen Worte. Gestern war der 30-Jährige kurz angebunden. Seine Reservistenrolle im Auswärtsspiel bei 1860 München macht dem gegenwärtig populärsten Fußballer des 1. FC Union vielleicht mehr zu schaffen als die unglückliche 1:3-Niederlage an sich.

Ganze 23 Sekunden dauerte das Statement des Mittelfeldspielers auf die Frage, wie er sein Dasein in München bis zur 69. Spielminute gesehen hat. „Für mich war das auch überraschend, weil der Trainer nicht mit mir gesprochen hat. Er hat sich für die offensive Variante mit Silvio entschieden“, sagte Torsten Mattuschka. „Das muss ich akzeptieren. Ich verstehe es aber nicht. Mehr will ich dazu eigentlich nicht sagen, auch um mich selbst zu schützen.“

Bevor Mattuschka am Montagmittag ins Auto stieg und anderthalb freien Tagen entgegensteuerte, hatte sich bereits sein Trainer noch einmal ausführlich zur Personalie des Kapitäns geäußert. Die Offensivstärke der Löwen sei ein Aspekt dafür gewesen, auf die Doppelsechs vor der Vierer-Abwehr-Kette umzustellen. „Ich glaube nicht, dass Mattuschka defensiv so gut arbeitet wie die, die Sonntag gespielt haben. Deswegen habe ich mich für Karl und Parensen entschieden“, sagte Neuhaus. „Dann hatte ich die Wahl zwischen Silvio und Mattuschka, da Mosquera auf jeden Fall links spielen sollte.“ Neuhaus gab zu, dass es für ihn nicht einfach war, den Kapitän draußen zu lassen. „Ich habe mir das reichlich überlegt. Die Dinge, von denen man überzeugt ist, muss man ab und an mal durchziehen“, sagte Neuhaus.

Mattuschka sei Neuhaus zufolge „nicht stinksauer“ gewesen, als er in der Mannschaftssitzung vor dem Spiel in München vom Verlust des Stammplatzes erfuhr. Doch in einen Menschen hineinschauen kann niemand. Und für Mattuschka war es in seinem 68. Zweitligaspiel für Union in psychologischer Hinsicht eine völlig neue Situation. Erstmals wurde er aus taktischen Gründen beziehungsweise leistungsbedingt nur eingewechselt. Zuvor war dies seit dem Aufstieg 2009 nur ein einziges Mal der Fall. Am zweiten Spieltag dieser Saison gegen Fürth (0:4) kam Mattuschka wegen einer Verletzung in der Vorbereitung erst später in die Partie.

Die Taktik bei 1860 mit Silvio anstelle von Mattuschka will Neuhaus nicht als Experiment verstanden wissen. „Es hätte in München auch gut ausgehen können. Silvio geht deutlich häufiger in den Strafraum rein. Das macht Torsten in dieser Anzahl nicht“, sagte Neuhaus. Der Fußballlehrer baute Mattuschka gleichzeitig aber auch eine Brücke. „Natürlich hat der Kapitän immer gute Chancen, wieder in die Mannschaft zu kommen. Er ist ja nicht für alle Zeiten verdammt und wird auch nicht als Kapitän abgelöst“, sagte Neuhaus. „Wir haben ja auch schon ein 4-1-4-1 gespielt, wo Silvio und Mattuschka zusammen im Mittelfeld aufgelaufen sind.“

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