Sport : Wenn der Putter streikt

Martin Kaymer enttäuscht beim US Masters.

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Versunken im Grün. Martin Kaymer visualisiert die Puttlinie.Foto: dpa
Versunken im Grün. Martin Kaymer visualisiert die Puttlinie.Foto: dpaFoto: dpa

Augusta - Martin Kaymer ist frustriert. Er schüttelt den Kopf, er wirkt ein wenig fassungslos. „Dass ich so schlecht putte, hätte ich nicht gedacht.“ Es ist Samstagnachmittag beim US Masters im Augusta National Golf Club, als er das sagt. Er belegt mit fünf über Par den 44. Platz. Jeder Profi erwischt irgendwann einmal einen Tag, an dem der Putter streikt – im Falle von Kaymer und der US Masters aber beschreibt dieser eine Satz eine generell nicht einfache Beziehung.

Die Bilanz des Deutschen bei diesem Major-Turnier ist denkbar schlecht. Bei den ersten vier Starts hat er den Cut verpasst, im vergangenen Jahr Rang 44 belegt. Auch 2013 griff der Deutsche niemals in den Kampf um einen der Top-Ten-Plätze ein. Die vierte Runde war schließlich seine Beste, da benötigte er 70 Schläge. Davor waren es 72, 75 und 74 (Bernhard Langer hatte seine letzte Runde bis Redaktionsschluss nicht beendet). Einige Schläge hinter den Führenden zu liegen, ist für den früheren Majorsieger und Weltranglistenersten Kaymer ungenügend. „Es ist dann auch egal, ob ich 50. werde oder den Cut verpasse“, sagt Kaymer. „Ich muss einfach vorne mitspielen.“

Ein Ziel, das Jahr für Jahr an den komplizierten Grüns scheitert. „Ich habe eigentlich gut gespielt, aber nichts gelocht“, stöhnt Kaymer. Nach der dritten Runde belegt er in der Puttstatistik den viertletzten Platz. „Man darf nicht zu aggressiv sein, weil der Ball sonst fünf Meter ausläuft. Aber man muss aggressiv sein, um den Putt zu lochen“, sagt der Düsseldorfer und sucht nach der Lösung des Problems.

Er war nicht der Einzige. Der Australier Jason Day verpasste am Samstag auf den zwei letzten Löchern zwei Putts, die kürzer als eineinhalb Meter waren. Tiger Woods sah konsterniert zu, wie sein Putt an Bahn acht aus einem Meter Entfernung wie auf einer Murmelbahn einmal komplett um den Lochrand lief und dann doch nicht reinfiel. „Das war eine ziemlich heftige Geschwindigkeit auf den Grüns“, resümierte der Weltranglistenerste, „da musste man richtig vorsichtig sein.“ Kaymer schließlich lief der Ball an Bahn 16 nach seinem Putt sogar wieder vom Grün. „Das sieht ja im Fernsehen immer richtig schrecklich aus“, kommentierte er das Desaster. „Aber hier lässt sich das ja gar nicht vermeiden.“

Putten, da sind sich alle Spieler und Trainer einig, hat nur begrenzt mit Technik zu tun. Sieht man einmal von einigen Basiselementen ab, geht es vor allem um Glauben und Vertrauen. Die Visualisierung der Puttlinie, die Vorstellung von einem Putt, der todsicher ins Loch läuft, ist entscheidend. Fehlt dem Spieler der Glauben, fällt nur selten ein Putt.

Wie er das Putt-Problem in Augusta in Zukunft in den Griff bekommt, weiß Martin Kaymer erst einmal nicht. Nachdem er seit mehr als einem Jahr mit mittelmäßiger Form kämpft, ist er erst einmal froh, dass er in den vergangenen drei Wochen generell wieder zu einer besseren Einstellung gefunden hat. „Ich hatte mich schon vorbereitet, aber eben nie so richtig wie früher“, stellte er fest. Seinen schnellen Aufstieg in der Weltrangliste seit seinem Wechsel ins Profilager 2005 habe er aber letztlich der Tatsache zu verdanken, dass er exzessiv trainiert und hart gearbeitet habe. „Man wird mit der Zeit aber einfach bequem“, stellt er in seinem achten Profijahr fest. „Zum Glück habe ich selbst erkannt, dass das nicht zu mir passt.“

Im Vorfeld des Masters hat er mit seinem Coach Günter Kessler in Arizona gearbeitet. „Das war eben so wie früher, als man richtig Blasen an der Hand bekam. Sechs bis sieben Stunden jeden Tag nur Training.“ Für das Putten allerdings ist Kessler nicht zuständig. Dieses Thema bearbeitet Kaymer ohne Coach. Die Lösung kann nur er allein finden. Petra Himmel

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